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deadwords » interviews 21.08.2015
Steiner – Wirr, schroff und etwas noisy

Der Schweizer Produzent Steiner hat jüngst Ende Juli seine Debut-EP auf Luana Records veröffentlicht. Der Basler hat sich nach einer langen Bandgeschichte der elektronischen Musik gewidmet. Herausgekommen ist ein atemberaubender Mix aus vertrackten Rhythmen und atmosphärischen Soundscapes. Wir haben Steiner ein paar Fragen zu seiner EP “Rodeo Songs”, seiner Musik allgemein und seiner Vorgehensweise bei der Musikproduktion gestellt. 

DEAD: Erstmal Gratulation zur neuen (ersten) Platte. Wie fühlt es sich an, seine Musik auf Vinyl zu veröffentlichen?

Steiner: Vielen Dank! Sehr gut! Es ist schön, ein fertiges Produkt in den Händen zu halten und auch beruhigend zu wissen, dass daran nicht mehr zu rütteln ist.

DEAD: Geht damit gewissermassen ein Traum für dich in Erfüllung?

Steiner: Das könnte man schon sagen ja. Einen Tonträger zu veröffentlichen gibt mir das Gefühl, dass das was ich mache noch eine Weile bestand haben wird…..es ist auch eine Art Wertschätzung meinerseits gegenüber meiner eigenen Arbeit.

Es ist schön, ein fertiges Produkt in den Händen zu halten

DEAD: Wie gestaltete sich der Weg zu deiner ersten Platte? Wann hast du mit Album begonnen?

Steiner: Das war nun vor ca. einem Jahr. Juan Awile (aka Phrex), der damals mit mir zusammen studiert hat, hat mich damals auf luanarecords verwiesen. Daraus ergab sich die Möglichkeit, eine EP zu veröffentlichen. Eigentlich hatte ich zu dem Zeitpunkt kein konkretes Release geplant, fing aber an, zu produzieren  und parallel dazu mein Livesetup zu entwickeln.

DEAD: Beschreib unseren Lesern doch mal deine Musik.

Steiner: Ich versuchs mal: Perkussiv, beatlastig, etwas wirr, schroff und „noisy“. Zuweil auch durchaus tanzbar, obwohl ryhtmisch oft nicht auf Anhieb zugänglich…..das fällt mir spontan dazu ein.

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DEAD: Was steckt eigentlich hinter dem Namen “Rodeo Songs”?

Steiner: Ich könnte da jetzt einige Bezüge meiner Musik herstellen…das wäre aber zu weit hergeholt. Es ist einfach ein Name…

DEAD: Du bist ursprünglich Schlagzeuger, richtig? Wie bist du zur elektronischen Musik und zur elektronischen Musikproduktion gekommen?

Steiner: Genau. Mittlerweile habe schon ich eine längere Bandgeschichte hinter mir. Im Laufe der Zeit begann ich mich für allmählich für Recording und Produktion zu interessieren, habe viel aufgenommen und gemischt. Das „wie klingt etwas“ gewann dann zunehmend an Bedeutung.

Irgendwann schaffte ich mir den einen oder anderen elektronischen Klangerzeuger an – das ergab sich dann irgendwie fliessend. Anfangs verfolgte ich die Idee, als ein Art „one man band“ zu agieren. Mit Basspedal, Gitarre usw. Daraus kristallisierte sich dann das reduziertere, aktuelle Setup heraus.

Das „wie klingt etwas“ gewann zunehmend an Bedeutung.

DEAD: Hast du als Schlagzeuger dann auch eine gewisse Affinität zu rhythmischen Spielereien in deinen Songs oder wie beeinflusst deine Instrumentallehre deine Musik?

Steiner: Zu meinen ersten Anschaffungen gehörte seine MPC 500. Damit holte ich mir also das Perkussive nach Hause. Ich generierte dann oft komplett chaotische Strukturen, die ich anschliessend wieder aufs Wesentliche reduzierte. So gehe ich auch heute noch vor.

Grundsätzlich spiele ich Synths oder teilweise auch MPC-Parts usw. von Hand ein –  ich arbeite sehr ungern mit MIDI, brauche das Haptische. Automationen am Rechner zu zeichnen verlangt mir viel Geduld ab.

DEAD: Du bist momentan ja relativ fleissig dabei in der Schweiz aufzutreten. Wie überträgst du deine Songs auf den Live-Bereich? Produzierst du generell mit dem Gedanken im Hinterkopf, das irgendwann live zu spielen oder passt du es im Nachhinein an?

Steiner: Eigentlich funktioniert es bei mir umgekehrt. Zuerst improvisiere ich auf meinem Livesetup. Wenn dann was taugt mach ich mich ans eigentliche Produzieren. Dabei laufe ich natürlich auch in Gefahr, übers Ziel hinauszuschiessen. Wenn ich einen produzierten Track live nicht im Kern wiedergeben kann spiele ich ihn auch nicht. Dann bleibt er halt ein produzierter Track. Diese Freiheit darf man sich nehmen.

DEAD: Wie war dein erster Live-Auftritt für dich? Wie war es, das erste Mal deine Musik der Welt zu präsentieren?

Steiner: Als Bandmusiker kannte ich das ja schon. Trotzdem war es für mich eine neue Art des Live-Spielens. Zum Glück bin ich während des Sets jeweils dermassen beschäftigt, dass ich äussere Einflüsse kaum wahrnehme.

DEAD: Was steht alles in deinem “Studio”, anders gesagt, wie sieht deine “man-cave” aus?

Manche Leute haben noch veraltete, utopische Vorstellung davon, was ein Label leisten kann.

Steiner: Im Wesentlichen benutze ich für meine Produktionen auch die Dinge, die ich Live im Einsatz habe. Das wären dann die MPC, einen Mikrokorg und einen Monotribe. Die laufen dann über einen Yamaha MG12 Mixer. Auf dem Aux-Weg habe ich dann noch zwei Distortions (die TurboRat und die Boss Superdistortion) und ein TC Nova-Delay eingeschlauft.

Als Abhöre dienen mir die Yamaha HS 80. Softwaretechnisch arbeite ich seit Neuem mit Reaper, davor mit ProTools. Für einige Sample-Processing-Geschichten benutze ich ab und an auch Max Msp. Momentan arbeite ich meistens immer noch in meinem Schlafzimmer – das werde ich aber demnächst ändern.

DEAD: Seine Musik auf Platte bei einem namhaften Label zu veröffentlichen, ist für viele Musiker ein Traum. Was würdest du den Leuten da draussen raten, die eben dies anstreben?

Steiner: Ja warum nicht? Für mich war das mit luanarecords ein Glücksfall.

Allerdings haben manche Leute noch veraltete, utopische Vorstellungen davon, was ein Label leisten kann. Ich denke man merkt sehr schnell, ob es passt oder nicht.

DEAD: Was dürfen wir in Zukunft von dir erwarten? Planst du bereits ein Album?

Steiner: Momentan möchte ich möglichst viel Live spielen. An ein Album denke ich noch nicht – ein stimmiges Album zu produzieren traue ich mir gegenwärtig auch gar nicht zu. Da werden zuerst wohl eher noch eine Single oder EP folgen.

Momentan spiele mit dem Gedanken, einige Tracks komplett live einzuspielen – sozusagen also nur die Stereosumme zu verwerten….aber mal schauen was kommt.

DEAD: Steiner, wir danken dir ganze herzlich für das Interview.

Steiner: Ich habe zu danken.

Steiners EP “Rodeo Songs” ist seit dem 29. Juli über Luana Records auf Vinyl, streng limitiert auf 104 handnummerierte Platten erhältlich. 

https://www.facebook.com/steiner33
http://luanarecords.com
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