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deadwords » interviews 01.08.2014
Listeners Mastering – An erster Stelle Musik

Freddy Knop a.k.a. pOnk, seines Zeichen studierter Musikwissenschaftler, Musiker, gesigned bei Circle Into Square hat im November 2013 sein eigenes Mastering-Studio im hübschen Berlin eröffnet. Grund genug für das DEAD Magazine ein bisschen nachzuforschen, und dem Berliner etwas auf den Zahn zu fühlen. Heraus kam ein spannender Einblick in die Welt des Masterings, wieso Listeners eigentlich Listeners heißt und welches Medium nun denn jetzt tatsächlich das beste ist.

DEAD: Im November 2013 hast du dein ganz eigenes Mastering-Studio “Listeners” eröffnet. Zunächst einmal, wie kamst du zu dem Namen Listeners?

Listeners: Ich wollte einen Begriff finden, der eingängig und unprätentiös ist, der aber gleichzeitig vermittelt, worum es beim Mastering im Kern geht. Um geduldiges, analytisches, aber auch respektvolles Zuhören. Dann ist mit Listeners etwas sehr einfaches rausgekommen.

Ich wollte einen lange gehegten Plan B aus- probieren

DEAD: Wie kamst du überhaupt auf die Idee ein Studio aufzumachen?

Listeners: Zum Einen wollte ich nach gut zehn Jahren Musikwissenschaft, Studium und Promotion einen lange gehegten Plan B auszuprobieren, zumal das Studio zumindest im Kern schon vorhanden war und von mir für eigenen Projekte genutzt wurde. Andererseits gibt es durch das eigene Produzieren und meine Band mOck ein ziemlich großes Netzwerk aus unterschiedlich ausgerichteten Indie- und DIY Labels, MusikerInnen und Bands in allen möglichen Ecken der Welt – gute Voraussetzung für ein Mastering Studio. Und schließlich: Ein Teil meiner Familie betreibt seit 1999 die Berliner Lautsprecherfirma ADAM Audio, wodurch gute Verbindungen in die Studio- und Gearwelt bestehen. Das passt einfach alles ganz gut zusammen.

DEAD: Beschreib mal unseren Lesern: Wie sieht dein normaler Studioalltag aus, falls es so etwas überhaupt gibt?

Listeners: Wenn ich ins Studio komme und Aufträge warten, beginne ich erstmal mit der Sichtung des Materials: ich höre mir alles an, mache mir Notizen, schalte hier und da zwischen Monitoren und Kopfhörern um, schau auf’s Metering, denke über Referenzaufnahmen nach. Dabei entwickeln sich in der Regel schnell konkrete Ideen, mit welchen Analoggeräten, PlugIns und Kompressions- / EQ-Einstellungen man zu einer klanglichen Optimierung kommen könnte, ob man eher unsichtbar bleiben oder das Material in eine bestimmte klangliche Richtung vereinheitlichen möchte. Nach der ersten Hörsession mache ich eine kleine Pause, schreibe Emails oder kümmere mich um administrative Dinge – um die Ohren wieder frei zu bekommen.

Dann beginnt die eigentliche Signalbearbeitung: Je nach Projekt und Ausgangsmaterial können die Strategien da zeitlich und methodisch sehr verschieden ausfallen.

Am Ende einer Session gibt es dann einen gewissen Dokumentationsaufwand; die Hardware-Einstellungen müssen notiert/gemerkt werden, je nach Formatwunsch müssen unterschiedliche Files gerendert und Backups / eine Dokumentation erstellt werden, etc. Da ist ein Tag sehr schnell vorbei.

DEAD: Ohne welches Tool könntest du nicht mehr leben, sei es im musikalisch oder allgemein?

Listeners: Mein altes Neumann KM184 Mikrofon zu verlieren würde mich sehr traurig machen. Damit habe ich Jahre lang fast alle Aufnahmen für meine eigenen Releases gemacht.

DEAD: Welchen Tipp kannst du Amateur-Musikern geben?

Listeners: Vielleicht, die Musikproduktion, das Aufnehmen und Live-Spielen zu genießen bzw. Kenntnisse dort zu vertiefen und sich weniger in Bezug auf die eigene Selbstvermarktung und das Image zu verkrampfen.

DEAD: Auf deiner Website sind bereits einige “recent clients” angegeben. Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Listeners: Wenn Tortoise und MF Doom mal auf die Idee kämen, ein Album zusammen zu machen würde ich das liebend gern mastern :)

DEAD: In dem Zusammenhang noch, gibt es ein Album, von dem du denkst “daran hätte ich gerne mitgearbeitet”?

Listeners: Aus der Mastering Perspektive vielleicht Thundercat’s “The Golden Age of Apocalypse” Platte auf Brainfeeder oder das bald erscheinende Soloalbum von Daisuke Tanabe.

DEAD: Was sind deine größten Einflüsse?

Listeners: Das geht sehr durcheinander. In erster Linie viel experimentelle Instrumentalmusik, zum Beispiel von Morton Feldman, Steve Reich oder György Ligeti. Dann aber auch Golden Era HipHop, besonders die Native Tongues; und jede Menge Post-Hardcore von Joan of Arc über Karate bis hin zu Antelope.

DEAD: Wie sieht die nahe Zukunft für Listeners Mastering aus? Was steht als nächstes an, was wünschst du dir?

Ich freu mich über die Vielfalt, das ist ein gutes Zeichen

Listeners: Es kommen ein paar spannende Projekte in den nächsten Wochen, einige Beat-mäßige Releases aus den USA, eine Jazzplatte, ein Berliner Klangkunstprojekt. Ich freu mich über die Vielfalt, das ist ein gutes Zeichen. Für das Studio wünsche ich mir vor Allem Stabilität, die ersten Monate waren voraussehbar noch chaotisch, aber auch spannend und lehrreich. Außerdem würde ich mittelfristig gern noch in den Vinyl-Cutting Bereich einsteigen.

DEAD: Zum Schluss noch die scheinbar obligatorische Frage: Schallplatte, CD, MP3 oder ein 240p-Youtube-Rip?

Listeners: Vinyl mit Download Code :)

DEAD: Vielen Dank für das Interview! Hast du noch etwas, was du unseren Lesern gerne mitteilen würdest oder was sie unbedingt wissen müssen?

Listeners: Vielleicht am ehesten in Richtung derjenigen, die selbst produzieren. Falls ihr Euch unsicher seid, ob sich externes Mastering für ein zukünftiges Vinyl-, CD- oder Digital-Release wirklich klanglich lohnt: Ein Demomaster für einen Track kostet nichts, und schicke ich Euch innerhalb einer Arbeitswoche zurück. Für DEAD Leser und Leserinnen gibt’s zudem 15% off bis Ende August. Connect! :)

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