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deadwords » interviews 05.04.2014
The Beep – Reykjavik und Punk

Sein erstes Soloalbum, “Reykjavík”, ist gerade auf dem Label Sichtexot erschienen. Ein Remix-Album seiner LP wird in Kürze folgen und klingt vielversprechend mit Remixen von u. a. Dexter, Tufu, Anthony Drawn, Knowsum und V.Raeter. Höchste Zeit für das DEAD Magazine The Beep näher kennenzulernen, um etwas über seine musikalischen Wurzeln und sein künftiges Schaffen zu erfahren.

DEAD: Du bist in einem musikalischen Umfeld groß geworden. Erzähl etwas über deine frühen Kontakte mit Musik.

THE BEEP: Ja auf jeden Fall, mein Daddy hat Cello, und in einer Jazz Kombo Bass gespielt. Außerdem hatte er einen relativ vielseitigen Musikgeschmack, so dass ich von Weather Report bis Kraftwerk alles mitgenommen habe! Mit sieben oder so hab ich dann angefangen mit Gitarrenunterricht, aber das war so richtig schlimm, in einer Gitarrengruppe im Dorf mit Volksliedern. Das ich dann schnell ‘ne E-Gitarre haben wollte, ist wohl verständlich. “Computermusik” hab ich zwar auch schon immer nebenbei gemacht, aber nie wirklich ernsthaft – das kam erst später.

Mit sieben oder so hab ich angefangen mit Gitarren- unterricht

DEAD: Du hast auch unterschiedliche Musikstile ausprobiert. Ich las, du hast in Punkbands gespielt?

THE BEEP: Yes haha! Punkrock ist auch immer noch ziemlich mein Ding! Oder so Hardcore Kram… Raised Fist, Comeback Kid, so Zeug.

DEAD: Was gab es da für Stationen und Projekte?

THE BEEP: Uffff, da will ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich kann sagen, dass natürlich, wie bei jeder Punkband, der Name auch mal mit “No” anfing.

DEAD: Spielst du noch andere Instrumente außer Gitarre?

THE BEEP: Selbst Gitarre spiele ich, dafür dass ich das so lange mache, echt mies. Zwangsweise kann man dann auch etwas Bass spielen… ansonsten habe ich nichts mal anständig gelernt. Auf dem Keyboard kann ich so ein bisschen semi-passend drauf rumdrücken, was aber meistens reicht. Aber verdammt, ich würde gerne so richtig Klavier spielen können! Oder so richtig klassisch Keyboarder… Tony Banks, mit mindestens 6 Keyboards um mich rum und so haha.

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DEAD: Kannst du die Unterschiede benennen, in einer Band mit akustischen Instrumenten zu spielen und für sich alleine mit diversem (Midi-)Equipment zu produzieren?

THE BEEP: Boah ja, das is’ echt komplett was anderes. In Bands muss man einen Proberaum organisieren, Termine absprechen zum proben, üben, üben, touren, üben, schwitzen, ständig neues Equipment kaufen, der ganze Mist. Klar, es macht SAU Spaß und in Bands kommt manchmal eine musikalische Dynamik auf, die alleine oft verloren geht, aber es ist für jemanden der berufstätig ist kaum zu machen zeitlich. Außerdem gibt’s da immer die Interessenkonflikte: Der eine will nebenbei Spaß haben und bisschen Mucke machen, der andere will groß rauskommen, weil sein Studium scheiße ist. Der eine will mehr so Richtung Metal, der andere will mehr so ruhiger… ist immer kompliziert. Tighte 3 Mann Kombos können aber was.

Der eine will nebenbei Spaß haben und bisschen Mucke machen, der andere will groß rauskommen, weil sein Studium scheiße ist.

DEAD: Und welcher von beiden warst du dabei?

THE BEEP: Gute Frage, haha. Ich will mehr so Metal!! Und ich will nebenbei groß rauskommen. Oder so.

DEAD: Gute Antwort.

THE BEEP: Ich mag auch so ruhige Sachen, aber Bands wie Darkest Hour und so… Liebe!

The Beep Cover sw

DEAD: Wie empfindest du den Unterschied mit akustischen Instrumenten und mit Midi-Controllern zu arbeiten? Ich frage das, weil du beide Arten von Equipment in deinen Produktionen verbindest.

THE BEEP: Irgendwie ist das für mich alles ein Brei. Bei akustischen Instrumenten fühlst du halt die volle Klangbreite, die alleine aufzunehmen ist schon ein Problem an sich! Gibt Doktorarbeiten über die Mikrofonierung von Klavieren! Meine Fresse… Und über MIDI kontrolliere ich ja meistens analoge Klangerzeuger, ausgenommen der Sampler, die sind natürlich Digital. Und mit denen sample ich dann akustische Instrumente oder Loops die ich vorher irgendwo eingespielt habe. Mit manchen Instrumenten bekommt man halt eine wunderschöne Stimmung, wie bei dem Sansula z.B. Das mit einem Synthie zu machen ist zwar theoretisch möglich, aber die ganzen Modulationen zu programmieren wäre kein Spaß.

Jeder bastelt sich sein kleines Klanguniversum

DEAD: Du outest dich gern als Equipment-Nerd. Inwiefern denkst du, bestimmt das Equipment nicht nur die Arbeitsweise, die Klangfarben, sondern auch die Vorstellungen von der eigenen Musik?

THE BEEP: Haha, zwangsweise! Ist ‘ne scheiß Sucht und ich glaube mindestens 1/3 der Beatmaker sind total “drup”, oder? Die Frage ist kompliziert. Die Vorstellung ändert sich nicht wirklich, aber wenn man Musik hört, hört man genauer hin WAS da eigentlich die Geräusche macht. Und, dass die Geräte den Workflow bestimmen, kennt sicher jeder, der jeden Tag auf dem Computer Programme benutzt. Man hat eine Routine. So ist’s ja auch mit den Geräten, jeder bastelt sich sein kleines Klanguniversum! Klanguniversum…Alter. Hahaha. Ok, ich denke Du weißt was ich meine.

DEAD: Du hast bereits die Sansula angesprochen, die auf deinem neuen Album „Reykjavík“ zu hören ist und die du selbst eingespielt hast. Wie wichtig ist es also auch sein Equipment zu wechseln oder zu erweitern für die eigene Kreativität?

THE BEEP: Ist super wichtig!! Dieses Sansula Teil habe ich mit einer Freundin in einem hippiemäßigen Musikladen gefunden. Instant Love! Gehört und direkt daran gedacht, wie man das verwursten könnte! Also Sansula verwursten, nicht die Freundin. Um Himmelswillen – haha.

DEAD: Woher stammt der Name deines neuen Albums „Reykjavík“?

THE BEEP: Ist der Name der Hauptstadt Islands.

DEAD: Du hast eine Reise nach Island gemacht, richtig?

THE BEEP: Genau und hat halt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber ey, bei Namen ist es doch eh so: Jeder interpretiert da das rein, was er möchte, und das ist auch total super so. Städtenamen als Albumstitel sind eh total fabelhaft. Klingt gleich so weltoffen und mysteriös, haha.

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DEAD: So weit ich weiß, ist dein erstes Release als The Beep „Secondhands Vol. 1“. Was hat sich seit dem verändert? Hast du einen anderen Zugang zur Musik, zum Produzieren als damals?

THE BEEP: Ja, das war so das erste “richtige”, davor gabs eine EP… die ist aber irgendwie verschollen. Hoffe ich. Vol. 1 ist ja jetzt auch eine Weile her, von daher hoffe ich, dass sich da viel verändert hat! Die größte Änderung ist wohl, dass ich etwas weg bin vom produzieren im HipHop Kontext. Auf dem Album gibt es ja quasi keine Vocals und die meisten Stücke würden, finde ich, nicht funktionieren mit Rap. Und so sind sie ja auch nicht gedacht. Es Gab auch noch ein Elektro-Pop Projekt mit Jeff Caudill mit dem Namen “Floormodel”, aber das war was GANZ anderes!

Die größte Änderung ist wohl, dass ich etwas weg bin vom produzieren im HipHop Kontext.

DEAD: Kannst du einen Zeitpunkt angeben, seit dem du Musik am Computer „frickelst“?

THE BEEP: Im Prinzip zum Release von ReBirth 1 von Propellerheads. 1997 oder so? Am Rechner gebaut und dann auf Kassette aufgenommen. Wobei ich vorher schon mit so SoundTracker Programmen rumgemacht habe. Boah, ist das lange her…

DEAD: Deine ersten Veröffentlichungen sind auf Kassette erschienen und in Kleinstauflagen. Vom Tape zum Vinyl, geht ein Traum in Erfüllung?

THE BEEP: Oh jaaaa! Das ist ja auch das erste richtige Album und damit mein erstes Soloalbum! Und dass auch noch auf Vinyl auf einem Label mit und von Freunden. So, wie es sein soll.

Das erste richtige Album und damit mein erstes Soloalbum.

DEAD: Kannst du sagen, wie es zum Kontakt mit Sichtexot kam und wie man sich den Austausch und die Arbeit mit und bei Sichtexot vorzustellen hat?

THE BEEP: Ich hab Tufu damals über die Mastschwein Tape Sache kennengelernt und später auch den Rest der Bande, aber eher so freundschaftlich, weniger mit Musik. Irgendwann war dann Vol. 2 fertig und das war so “Ok, schick uns einfach das Master.” War irgendwie klar für alle da, außer für mich, haha… total super!

DEAD: Auf deinem Blog liest man auch viel über Audio88 und Yassin, mit denen du auch schon zusammengearbeitet hast. Hat sich da ein begeisterter Hörer ein Wunschprojekt erfüllt oder wer kam auf wen zu?

THE BEEP: Ach naja, das ist ja jetzt auch wieder eine Weile her. Einen Traum finde ich jetzt sehr übertrieben, aber es war cool mit jemanden Musik zu machen, dessen Musik man geil findet! Das ist bei Rap ja oft schwer!

DEAD: Nochmal zu Sichtexot: Gibt es da regelmäßigen musikalischen Austausch oder bleibt der Prozess des Musikmachens in deinen eigenen vier Wänden?

THE BEEP: Haha, ich wurde das schon mal gefragt. Ach naja, wie man sich eben so austauscht, wenn man sich mal eine MP3 rüberschickt oder zusammen Musik hört. Oder man fragt den anderen mal, wie er die Kickdrum gemacht hat oder so. Aber da jeder soundmäßig anders ist irgendwie, ist das alles relativ.

DEAD: Wovon ist eigentlich der Name „The Beep“ inspiriert?

THE BEEP: Den gab es quasi schon bevor es die Musik gab. Ich wollte immer was kurzes, was für alles funktioniert. Wo man nicht mal weiß, ob es einer ist oder eine Band. Daher das “The”. Und „Beep“ ist einfach ein schönes Wort und ein schönes Geräusch.

„Beep“ ist einfach ein schönes Wort und ein schönes Geräusch.

DEAD: Zu deinem Track „Eijo“ gibt es ein sehr cooles Video, das du glaube ich selbst gebastelt hast. Sieht nach viel Arbeit aus…

THE BEEP: Boah, JA… im Prinzip ein ganzes Jahr lang jedes Wochenende und eben unter der Woche, wenn man nach der Arbeit mal noch Nerven hat. Und Dankeschön! Hätte mir das Video echt für das Release aufheben sollen, haha.

DEAD: Erzähl uns exklusiv etwas über euer geheimes Sichtexot-Projekt! Ich las darüber…

THE BEEP: NEIN.

DEAD: Muss ich leider akzeptieren, hehe.

THE BEEP: Ja, hahaha. Nee, im Ernst, ist nichts Wildes. Bei Sichtexot gibt es so viele Projekte, da kommt immer irgendwas, was man nicht erwartet.

Bei Sichtexot gibt es so viele Projekte, da kommt immer irgendwas, was man nicht erwartet.

DEAD: Es wird sehr bald ein Remix-Album zu „Reykjavík“ geben, das dürfen wir schon mal ankündigen. Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Musik von illustren Gästen geremixt wird?

THE BEEP: Das mit den Remixen ist Wahnsinn, vor allem wenn man Remixe von Leuten bekommt, deren Alben man selber besitzt und gerne hört. Und die eigene Musik im fremden Gewand ist auch super, dann kann ich endlich meine eigenen Songs wieder hören, haha.

DEAD: Wer wird dort zu hören sein?

THE BEEP: Es ist noch nicht alles im Kasten, daher gibt es nur ein paar vorab: Dexter, Tufu, Anthony Drawn, Knowsum, V.Raeter, Hade, …

DEAD: Wie stehst du dazu, sein Hobby zum Beruf zu machen. Also finanzielle Abhängigkeit versus mehr Zeit?

THE BEEP: Ich glaube, da braucht man bei meiner Auflagenzahl nicht drüber nachdenken ehrlich gesagt. Außerdem ist eine finanzielle Abhängigkeit von Musik einfach ein Spaßkiller. Und so einfach “machen” kann man das ja auch nicht…

DEAD: Gibt es noch irgendetwas, dass du an dieser Stelle gerne loswerden möchtest?

THE BEEP: Meinen verdammten Schnupfen, haha. Nein, im Ernst, danke für das Interview!

DEAD: Ich danke!

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