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deadwords » interviews 24.06.2013
michum – Eine organische Mischung

Mit “The stories that you read but never write” hat Michel Sacher a.k.a. michum gegen Ende Mai seinen neuesten Longplayer in die Weiten des Internetzes geladen. Doch wer ist dieser bärtige Soundfrickler? Wie geht er beim Produzieren vor? Und, warum mag er eigentlich Kassetten-Releases so sehr? Wir haben dem sympathischen Hessen ein paar Fragen gestellt…

DEAD: Hey michum. First of all: Wer bist du? Bitte beschreibe deinen Alias “michum” in drei Sätzen.

michum: michum ist bis dato alles, was ich alleine an Musik produziere. Dabei ist mir wichtig, alles zu verbinden was ich selber als musikbegeisterter Mensch mag, aber auch Dinge die über die Musik hinausgehen. Organisch ist dabei ein Begriff, der sich bei mir selber festgesetzt hat.

DEAD: Ist organisch in dem Fall gleich zu setzen mit “analog”?

Neue Musik ist oft völlig überprodu- ziert und wirkt sehr statisch und kalt.

michum: Fakt ist, dass analoge Aufnahmeverfahren oft wärmer und für meine Begriffe auch angenehmer klingen als die digitale Variante. Ich mag sehr gerne Musik bei der man hört, dass Menschen zusammen in einem Raum waren und gemeinsam Musik gemacht haben. Ein Mikrofon in die Mitte. Und fertig. Viele neue Musik ist völlig überproduziert und wirkt daher sehr statisch und kalt. Das kann funktionieren und grade in der heutigen Zeit ist es auch ein Segen, der es vielen Leuten einfacher macht Musik zu produzieren. Ich selber profitiere davon. Aber ich versuche trotzdem die oben genannte Wärme in meine Musik zu bekommen.

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DEAD: Du machst teilweise sehr experimentelle, elektronische Musik. Wie verbindest du deine Vorliebe zum analogen mit deinem Output? Wie genau gehst du beim Produzieren vor? Mit welchen Mitteln musizierst du?

Die Basis sind immer Samples.

michum: Es gibt keinen festen Ablauf. Aber Dinge die sich immer wieder wiederholen. Ich sehe mich selber als HipHop Produzent. Im Grunde baue ich HipHop Beats. Die Basis sind immer Samples. Entweder von Platten, aus Mp3s oder selber eingespielte Instrumente von mir oder befreundeten Musikern. Auf Grund der Grundsteine ist das Organische bereits gegeben. Manchmal nehme ich auch fertige Loops auf Kassette auf und digitalisiere diese später wieder. Das ganze hat im Endeffekt oft Trackcharakter. Aber für mich bleiben es ganz einfach HipHop Beats. Fast alles von meinem Output würde sich zum Rappen anbieten.

DEAD: Apropos Kassetten, der “michum-sampler” ist auf Magnetband über das Label Haute Magie erschienen. Was macht den Reiz aus heutzutage noch Musik auf Kassette zu veröffentlichen?

Seine eigene Musik auf einem physi- schen Datenträger zu haben, fühlt sich einfach gut an.

michum: In der Zeit von iTunes und Spotify ist mir selber ein Umstand abhanden gekommen den ich eigentlich sehr mag. Ein Album als solches am Stück zu hören. Wenn ich früher eine Platte gekauft habe, habe ich mich hingesetzt und eine Stunde lang nur Musik gehört. Heute mache ich das viel weniger. Es ist einfach zu verlockend hin und her zu skippen. Auch weil man eine riesige Menge Input hat. Die Chance, dass sich jemand die Zeit für die Musik nimmt, die sie braucht, ist bei einem Kassetten-, Platten-, oder auch CD-Release viel höher als bei einem digitalen Release. Aber auch hier gibt es wie immer die berüchtigten zwei Seiten. Letztendlich war es auch ein Egoding. Seine eigene Musik auf einem physischen Datenträger zu haben, fühlt sich einfach gut an.

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DEAD: Ist ein CD oder auch Vinyl-Release geplant? Und, was darf man von michum musikalisch in Zukunft erwarten? Releases, Kollaborationen, Konzerte?

michum: Ein Vinyl-Release war eigentlich schon für diesen Frühling geplant. Allerdings wird sich das noch verschieben. Haute Magie ist ein sehr kleines Label, welches jedes Release finanztechnisch sehr überlegt durchplanen muss. Ich hoffe, dass es noch zu der Platte kommt. Aber ein genauer Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen. Was auf jeden Fall ansteht, sind neue Releases von befreundeten Musikern mit dennen ich zusammen das Lamplighter Kollektiv gegründet habe. Es wird es auf jeden Fall bald einen Sampler als CD geben. Natürlich auch als Mp3 Download. In diesem Zusammenhang werden wir auch einige Veranstaltungen organisieren bei denen wir alle zusammen mit guten Freunden gute Musik spielen werden.

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DEAD: Wie kommt man als gebürtiger Hesse eigentlich über den großen Teich, und zu einer Zusammenarbeit mit einem Label aus Austin (Texas)?

Ein paar E-Mails später, war die Kassette geplant.

michum: Wie so vieles im 21. Jahrhundert, ist auch das dem Internet zu verdanken. Ich habe vor ca. drei Jahren meinen Soundcloud-Account angelegt. Über die Jahre gab es dann immer wieder ein paar Anfragen von kleineren Weblabels, deren Angebote mir aber nie zugesagt haben. Letztes Jahr schrieb mich dann Haute Magie an. Deren Konzept überzeugte mich sofort. In erster Linie physische Releases auf Kassette und Vinyl. Dazu ein großer Stamm toller Musiker und Bands in deren Output mein eigener super hinein passt. Ein paar E-Mails später, war die Kassette geplant.

DEAD: Danke für das Interview!

http://www.michum.com
http://www.hautemagie.com/
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Foto(s): Live-Bild by Andreas Marx
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