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deadwords » features 08.06.2013
Astronautalis – den Kopf frei bekommen

Andy Bothwell alias Astronautalis versucht all seinen Fans in durchaus regelmäßigen Abständen etwas Besonderes zu bieten. Auch denjenigen in unseren, europäischen, Gefilden. 2012 erfolgte so die erste gemeinsame Europa-Tour mit Bleubird und in diesem Jahr packte er kurzerhand seine Band mit in den Flieger und lud seine Fans zu einem Konzerterlebnis der besonderen Art ein. Eine Haltestelle auf der über 50 Tage langen Reise war auch der Freiburger Slow Club, der mit Hilfe der Ʊ Veranstaltungen den Rapper samt Band für einen Zwischenstopp gewinnen konnte. Und so begaben wir uns auch in diesem Jahr auf den Weg und hatten erneut die Ehre in einem kurzen aber umso intimeren Gespräch einiges über den Mann hinter Astronautalis zu erfahren.

Der Freiburger Slow Club bebte!

Seit 10 Jahren ist dieser Mann unterwegs und erkundete bereits über 30 verschiedene Länder. Viel hat er von der Welt gesehen und erntete spätestens mit seinem letzten Album “This Is Our Science” den wohlverdienten Lohn für seine kräftezehrenden Bemühungen. Augen und Ohren richten sich in stetig wachsender Anzahl auf ihn und seine Musik und einzigartigen Live-Darbietungen scheinen sich in der Tat auch bis nach Freiburg rumgesprochen zu haben, denn so war der kleine Slow Club mit einem neugierigen Publikum äußerst dicht gefüllt.

Astronautalis Live 1

Den Konzertbesuch durfte wohl auch niemand bereut haben. Astronautalis bot, von der ersten Sekunde an, eine seiner energiereichen Shows, für die er so bekannt ist und welche durch seine Band noch gestärkt wurde. Weit über eine Stunde powerten sich so die drei Jungs aus und zur Freude seiner Anhänger wurden gar zwei neue Songs gespielt, die auf seinem kommenden Album zu finden sein werden und so frisch waren, dass sie noch nicht einmal einen Namen trugen – aber auf großartiges hoffen lassen. Insgesamt wirkte die Songauswahl ausgeglichener und ansprechender, als bei seinen Solo-Sets. So durfte man sich beispielsweise auch über einige Songs von “The Mighty Ocean & Nine Dark Theaters” freuen, welche sonst leider all zu sehr übergangen werden.

Das Ende der Zusammenarbeit mit Fake Four Inc.

Musikalisch wird sich 2013 noch einiges für Astronautalis tun, aber auch ändern. Sieben bis acht Songs hat er für sein neues Album bereits geschrieben, wann und vor allen Dingen über welches Label es aber auf den Markt kommen wird ist, zumindest offiziell, noch vollkommen ungewiss. Eins scheint leider sicher: Eine weitere Zusammenarbeit mit der Fake Four Inc. wird es wohl nicht mehr geben. Der Erfolg von “This Is Our Sciende”, inklusive Billboard Charts-Platzierung, hat den Namen Astronautalis zu populär werden lassen, als dass der Zweimann-Betrieb die Geschäfte noch angemessen regeln könnte.

An die doch eher kurze Fake Four-Zeit denkt er dennoch stets gerne zurück und betitelt die Ramos-Brüder als zwei seiner besten Freunde. Nach Beendigung der Europa-Tour, welche auch zugleich das Ende Astronautalis’ diesjähriger Reisen darstellen wird, steht dann erstmal die Arbeit an “Four Fists”, seinem Projekt mit P.O.S., auf dem Plan. Im Anschluss erfolgt natürlich die Intensivierung der Arbeit an seinem neuen Album. Zudem müssen, wie bereits angedeutet, viele wichtige geschäftliche Entscheidungen getroffen werden.

Astronautalis Live 2 alternativ

Zehn Jahre auf Tour – 20.000 Bilder geschossen.

Zehn Jahre auf Tour, dass das erschöpft muss nicht weiter erörtert werden. Wenn man Astronautalis fragt, was er sich für die Zukunft wünscht, so erhält man die Antwort, dass er zur Ruhe kommen will. Auf seiner zehnjahrelangen Erkundungstour hat er über 20.000 Bilder geschossen. Er will sich nun die Zeit nehmen, diese zu ordnen und zusammen mit seiner Mutter einen Bilderband zu erstellen.

Während der Tour-Dekade gingen seine meisten Hobbys verloren. Las er ein Buch, so las er dieses als Recherche für ein kommendes Album. Saß er an seinem Laptop, so hatte dies meist damit zu tun, seine Homepage zu verbessern, Konzerte zu promoten oder jedwede Fan-Anfrage zu beantworten. Heute verspürt er das Bedürfnis, sich auch mal außerhalb der Musik zu bewegen. Schreiben will er und sich der Fotografie widmen. Mit einer Freundin von Ax + Apple, die schon den Kopfschmuck für das Cover von “This Is Our Science” entwarf, plant er sogar eine Männerschmuckreihe auf den Markt zu bringen.

Astronautalis Live 3

Nicht mehr so viel touren, um nicht am Ende gar die eigene Musik zu hassen, das ist der Plan. Es wird zukünftig also darauf ankommen Musik und Privatleben besser auszubalancieren, um so ein gesünderes Gleichgewicht zu finden.

Laut eigenen Angaben dürfen wir uns dennoch getrost auf “tons of music” von ihm freuen. Die Kostproben, die man beim Konzert bereits genießen durfte, sind allemal vielversprechend und Astronautalis zählt sowieso zu denjenigen begnadeten Künstlern, die scheinbar nichts falsch zu machen vermögen.

http://astronautalis.com/
http://www.slowclub-freiburg.de/
Text:
Foto(s): Markus Matt
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