Brzowski Moshe Alternativ - Freiburg - Dez2012 - Startteaser
deadwords » features 09.02.2013
Pierre The Motionless, Brzowski & Moshe – eine Nacht internationaler Künste

Alternative HipHop Konzerte stellen in Freiburg eine bedauernswerte Rarität dar und das, obwohl es an Zuschauersupport nicht unbedingt mangelt. Umso erfreuter und überrascht zugleich empfing man die Nachricht, dass Pierre The Motionless, Brzowski und Moshe bereits zum zweiten Mal innerhalb von acht Monaten ihren Weg in den Freiburger White Rabbit Club finden. Dies bot Grund genug, uns auf den Weg zu machen und das Konzert vom 17. Dezember 2012 etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

“Weil Montag als Ausgehtag schon immer mehr Untergrund war als alle anderen”

“Weil Montag als Ausgehtag schon immer mehr Untergrund war als alle anderen” – mit dieser reizenden Rechtfertigung warb die Freiburger Lokalheldin Untergrund Urte für das exklusive Event. Und diese Proklamation traf auf einige offene Ohren. Natürlich blieben nicht enden wollende Zuschauerströme aus, dennoch schaffte es eine recht beachtliche Anzahl von Menschen, sich auch unter der Woche den Weg durch die winterliche Kälte Freiburgs zu bahnen. Für steigende Temperaturen sorgte dann auch zu Beginn Untergrund Urte selbst, in dem sie eine ansprechende Songauswahl von zum Beispiel Bigg Jus, Aesop Rock, Cage bis hin zu Tyler The Creator darbot und die Herzen der Freunde von Underground und progressiven HipHops höher schlagen ließ.

Brzowski Moshe Alternativ - Freiburg - Dez2012

Im Anschluss schienen die Scheinwerfer dann auf das Gesicht des sympathischen Franzosen Pierre The Motionless. Wie schon beim vorigen Konzert im April, führte er zuerst eine Auswahl seiner instrumentalen Werke vor, ehe er sich gegen Ende seines Sets selbst hinters Mikro stellte und seine Stimme den Raum einnehmen lies. Wie wir in einem kurzen Gespräch mit den angereisten Künstlern vor Beginn der Show erfuhren, darf man einiges im Jahre 2013 von ihnen erwarten. In Pierres Fall bedeutet dies, dass neben Zusammenarbeiten mit Brzowski oder Swordplay (welche bereits fünf Jahre andauert und nun endgültig abgeschlossen wird) auch das zweite Album seiner Band Motionless das Licht der Welt erblicken soll. Exklusiv für das DEAD Magazine offenbarte er zudem, dass bei eben diesem Album Ancient Mith als Frontmann dienen werde. Wenn man die Qualität des ersten Motionless Albums dabei als Maßstab heranzieht und diese mit dem wunderbar eigenartigen Stil Ancient Miths paart, kann man getrost einen Überraschungshit erwarten, den so wohl keiner auf dem Schirm hatte.

Dann war auch schon die Zeit für die Headliner Brzowski & Moshe gekommen. Aufgewartet wurde mit über 60 Minuten feinstem Material. Dargeboten wurde dieses durch eine stets energiereiche und akzentuierte Performance-Kunst. Mal gesungen, mal schnell gerappt – mit oder ohne Beat, dass Brzowski das nicht zum ersten Mal macht, war sichtlich spürbar.

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2013 wird für Brzowski ein Studio-Jahr

Während seiner Performance war er stets nah bei seinen Hörern verortet und suchte und fand den Kontakt. Brzowski weiß, wie man mit einer Zuschauergruppe umgehen muss, er ist ein klarer Routinier in Sachen Live-Auftritten. So war er den größten Teil des letzten Jahres unterwegs und versuchte auf diese Weise seine Musik weiter zu verbreiten. Dieses Jahr soll sich das aber ändern. 2013 wird für ihn, wie er sagte, ein Studio-Jahr. Freuen dürfen wir uns also auch auf neues Material seinerseits. Zeit wird er sich dennoch für sein neues Album lassen, denn ihm ist es wichtig, dass er mit dem Endprodukt vollends zufrieden sein kann. Dabei helfen soll ihm der neue Milled Pavement Jünger C Money Burns, von dessen Produktionen Brzowski sich fasziniert und begeistert zeigte. Auch Produzent und Label-Chef Moshe hat klare Ziele für das neue Jahr vor Augen. Während immer mehr Independent Labels dicht machen müssen, will er diesem Trend entgegenwirken und weiterhin in kleinen aber durchaus fortwährenden Schritten sein Label Milled Pavement Records vergrößern und schlichtweg am Leben erhalten.

Als der sich komplett verausgabte Brzowski nach Ende seines Sets entspannt dem Whisky an der Bar zuwendete, beendete Moshe derweil das Konzert mit einem Mix seines charakteristischen und harten Filth Steps. Er selbst nennt das mit einem Lächeln im Gesicht “Mosh Step”, gehört aber ernsthaft zu den besten dieses immer populärer werdenden Genres. Immer wieder bekam er Unterstützung von Brzowski, dessen Sprechgesang den elektronischen Beat-Wellen noch eine weitere Dimension verlieh.

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Das Konzert
wurde zu einer körperlichen Erfahrung, der man sich nicht entziehen konnte

Konnte sich manch einer der Zuschauer im Verlaufe der vorhergegangen Performances entspannt zurückhalten, so brachen spätestens zu diesem Zeitpunkt alle Dämme. Das Konzert wurde nun zu einer körperlichen Erfahrung, der man sich nicht entziehen konnte und aus welcher man erst nach einer weiteren Stunde, von Erschöpfung gezeichnet und ermattet, entlassen wurde.

Mit einem Moshe-igen Grinsen im Gesicht, verließ man spätnachts zufrieden den White Rabbit Club, von der Hoffnung begleitet, nicht weitere acht Monate auf ein ähnliches Ereignis in Freiburg warten zu müssen. Denn auch wenn sich die Pulsfrequenz nun wieder entschleunigen möge, schlägt das Herz alternativen Hip Hops auch im Süden kontinuierlich weiter.

www.milledpavement.com
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Foto(s): Markus Matt
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