epilog_startteaser_dez2012©Katja_Tauber
deadwords » interviews 09.01.2013
epilog – Ein Wort, welches die Grundstimmung einfängt

Vor fast genau einem Monat, am 8. Dezember 2012, veröffentlichte epilog seinen ersten offiziellen Longplayer über postrap. Wir stellten ihm ein paar Fragen und erfuhren unter anderem ein bisschen was über seine Anfänge als Rapper und Musiker, warum diese LP trotz vorheriger Veröffentlichungen als das erste offizielle Solo-Release gilt, weshalb es so wichtig ist, gegen denn Stillstand zu kämpfen und, warum “Vakuum” der perfekte Titel für sein Album ist.

DEAD: Hallo. Wer oder was ist epilog? Und warum gerade “Nachwort”?

epilog: Ich bin Rapper, hämmere live genre auf eine MPC und Effektgeräte, bin Teil von son kas und einer der Gründer des Labels postrap. Den Namen habe ich mir, als ich mit ca. 14 oder so anfing zu rappen, mal gegeben. Damals fand ich es cool und als Rapper behält man den halt. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

DEAD: Bist du damals mit 14 gleich mit tiefgründigem Rap und “Storytelling” eingestiegen, oder hast du auch mal gebattelt?

Ich habe mit extrem abstrakten Sachen ange-
fangen, die sich außer mir kaum jemand anhören konnte.

epilog: Bei mir ist es eigentlich umgekehrt. Über die Jahre ist mein Sound eher “rappiger” geworden. Damals hab ich mit extrem abstrakten Sachen angefangen, die sich außer mir kaum jemand anhören konnte. Ich habe vorher schon viel unabhängig von Musik geschrieben und diese Texte dann “gerappt” und mit meiner MPC Krach darunter gemacht. Zu der Zeit war ich auch einfach extrem geflasht von der Welle rund um Anticon, Def Jux und Projekt Blowed und fand “normalen Rap” ziemlich öde. Das hat sich über die Jahre auch wieder gelegt. Gebattelt habe ich nie wirklich, aber schon viel mit Freunden gefreestyled. Das vermisse ich auch.

DEAD: “Vakuum” ist dein erster Solo Longplayer. Du machst allerdings nicht erst neuerdings Musik – wieso jetzt erst dieser Schritt?

epilog: Das hat sich einfach so ergeben und liegt daran, dass ich immer an verschiedenen Projekten arbeite. Mein Hauptprojekt war und ist eigentlich son kas, gemeinsam mit azabeats. Vor allem wegen son kas bin ich zeitlich schlichtweg nie dazu gekommen eine richtige Solo LP zu veröffentlichen und habe unter dem Namen epilog nur zweimal eine Ansammlung alter Lieder zum Download rausgehauen, die halt noch so rumlagen.

Wenn ich ein offizielles Album rausbringe, dann nehme ich mir schon viel Zeit dafür, will, dass es von hinten bis vorne stimmig ist, als Ganzes funktioniert. Das hab ich schlichtweg erst jetzt unter “epilog” geschafft.

DEAD: Wie darf man das verstehen, fandest du die son kas Releases nicht “stimmig”?

epilog: Nein im Gegenteil, für das son kas Album “Wasserleichentreiben” haben wir uns eben genau diese Zeit genommen, es als Album zu konzipieren. Das hat extrem viel Zeit und Energie gefressen und deswegen konnte ich das für meine Solo-Sachen als epilog nie in der Art machen. Ich hab ja dann schon was rausgehauen, aber das waren eben unfertige Sachen, die ich nie zu Ende gebracht und dann einfach mal so als unzusammenhängende Sammlungen veröffentlicht habe. Die Zeit ein richtiges Album als epilog zu machen, fand ich erst in den letzten beiden Jahren.

DEAD: Die Inhalte und Texte des Albums sind oft sehr tiefsinnig, poetisch, aber auch düster und wirken auf mich teilweise depressiv. Ist “Vakuum” eine Art Selbst-Therapie?

Beim Schreiben fasse ich einfach die klarsten Gedanken.

epilog: Wahrscheinlich ist Musik für mich schon eine Art Therapie, das kann man schon so sagen. Ich bin zwar in keinster Weise depressiv und genieße viele Seiten meines Lebens, aber Musik und Schreiben ist für mich die Möglichkeit mich sehr komprimiert mit mir selbst, meiner Rolle im System, den Zwängen, denen ich, und alle anderen, ausgesetzt sind, zu beschäftigen. Beim Schreiben fasse ich einfach die klarsten Gedanken und wenn ich es einmal niedergeschrieben habe, kann ich danach auch nach den Konsequenzen für mich selbst suchen und Dinge ändern. Das ist das Wichtigste: sich selbst anprangern, wenn man merkt, dass man in Mechanismen verfällt, die man scheiße findet. Diese Einsicht brauche ich, um dann weiter nach Wegen und nach Veränderung zu suchen. Einfach immer gegen den Stillstand ankämpfen.

DEAD: Das hört sich anstrengend an. Ein paar Konstanten im Leben sind doch nicht zu verachten. Das Sprichwort “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.” kommt ja nicht von ungefähr…

epilog: Klar, Konstanten sind super. Gute Freunde, guter Whiskey, gute Musik, gutes Essen – bleibt alles über die Jahre und macht mein Leben lebenswert. Was ich aber problematisch finde, ist genau diese Gewohnheit. Wir können uns an alles gewöhnen – auch an alles, was wir nie wollten. Wir gewöhnen uns an Geld, einen Lebensstandard, Konsumgüter, so dass wir uns irgendwann sicher sind, wir bräuchten all das unbedingt. Wir gewöhnen uns an einen Job, der uns nicht gefällt, aber es ist der einfachere Weg jeden Morgen wie gewohnt wieder hinzugehen, als etwas zu ändern. Wir gewöhnen uns an ein Leben, dass uns aufgedrängt wird und leben aus Gewohnheit so vor uns hin. Ich glaube oft ist es sogar die Gewohnheit, dieser Trott, der uns daran hindert sich die Gedanken zu machen, was wir eigentlich wirklich wollen.

DEAD: “Vakuum” bedeutet in etwa “leerer Raum”. Wie kommt der LP-Titel zustande?

epilog: Wenn ich einen Titel für meine Alben will, suche ich immer nach einem Wort, dass die Grundstimmung einfängt. Und das macht Vakuum für mich. Es geht definitiv um die Leere, vor allem den luftleeren Raum. Wir bewegen uns immer weiter, aber atmen kaum noch. Trotzdem ist das (fast) perfekte Vakuum der Weltraum, also auch die Schwerelosigkeit. Ich denke, dadurch fängt das Wort genau das ein, was ich auf der Scheibe erzähle. Es überwiegt das Gefühl festzustecken, ohne Luft, aber genau das Erkennen davon ist die Vorraussetzung für Veränderung, wieder so zu werden, wie wir eigentlich sein wollen. Leben findet wohl immer irgendwo zwischen Ersticken und Schwerelosigkeit statt, wir sollten uns nur nicht im Ersticken abfinden.

DEAD: Warum wurden die Instrumentale von denen produziert, von denen sie prodziert sind? Warum sind die Gastvokalisten dabei, welche dabei sind?

epilog: Es sind einfach die besten Produzenten, die ich kenne. Ich bin riesiger Fan von jedem, der auf der Platte ist und wahnsinnig froh, dass ich mit ihnen arbeiten darf. Es war ein langer Prozess mit verschiedenen Musikern genau die Platte hinzukriegen, die ich machen wollte und sie wirklich rund zu machen.

DEAD: Woher nimmst du deine Kreativität? Wer oder was inspiriert dich?

Ich schreibe einfach auf, was mich umgibt, was ich empfinde, was mich ankotzt, was ich mir wünsche.

epilog: Ich schreibe einfach auf, was mich umgibt, was ich empfinde, was mich ankotzt, was ich mir wünsche. Ich finde es um ehrlich zu sein immer wieder sehr erstaunlich, dass sich das überhaupt jemand anhören will, weil eigentlich rede ich ja hauptsächlich von mir selbst. Aber vielleicht macht das ja auch den Reiz aus, dass ich niemanden erzählen will: du bist ein Depp, mach das so und so, denn so ist das richtig, das ist die Wahrheit. Oder: die anderen sind alle Deppen und lächerlich, Gott sei Dank bin ich besser und cool. Das ist halt nicht mein Ding. In meinem Texten bin ich oft selbst der Depp, wenn ich erkenne, dass ich genau die selben Fehler mache und dass ich auch keine Antworten habe. Und scheinbar erkennen sich in Teilen davon immer wieder andere.

DEAD: Was steht (musikalisch) als nächstes an?

epilog: Als nächstes wird “Armageddon Endzeitstress” kommen, mein gemeinsames Projekt mit azabeats, Misanthrop, Aqua Luminus und Omega Takeshi (von 88komaflash) und Soda. Wir waren letztes Jahr mit all unseren Geräten, unserm Equipment vier Tage im Wald und haben tatsächlich fünf Wahnsinns-Tracks dort produziert, geschrieben und recorded. Ansonsten arbeite ich mit azabeats an neuen son kas Sachen, mit Misanthrop an Sachen und fange nächstes Jahr vielleicht auch irgendein neues Projekt an. Wir werden sehen.

DEAD: Danke für das Interview. Any last words?

epilog: Da ich das Album ja komplett alleine gestemmt habe, muss ich mich bei allen bedanken, die in irgendeiner Weise darin mitgewirkt haben und mir geholfen haben, dass alles zu verwirklichen. Ich bin wahnsinnig froh so viele gute Leute zu kennen. Danke! Und natürlich Danke ans DEAD Magazine, ich bin Fan von euch.

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Foto(s): Bild 1 + 2 by Katja Tauber, Bild 3 + 4 © unbekannt
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