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deadwords » interviews 27.09.2012
form – Dem Leben den Vorzug geben

Der aus dem beschaulichen Örtchen Cottenweiler stammende form hat etwas zu sagen, nicht nur im Ficko Magazin oder bei diversen (musikalischen) Projekten, sondern auch auf seinem kürzlich erschienenen, neuen Untape “Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung das ganze”. Wir haben dem selbsternannten Gutmenschen ein paar Fragen zu seiner Person gestellt und dabei die neueste Veröffentlichung ganz bewusst nur ansatzweise erwähnt um diese für sich selbst sprechen zu lassen.

DEAD: Hahlär, form. Wer bist du? Was machst du? Und warum sagst du immer “Hahlär”?

form: Hahlär, DEAD Magazine! Ich bin form. Ich rappe. Und Rapper sagen halt “Hahlär”.

DEAD: Du scheinst dich extrem viel mit deinen Mitmenschen zu beschäftigen, hast immer eine Meinung zu allem, und vertrittst diese, auch gerade in deinen Liedern, enorm stark – wie bist du erzogen worden?

form: Das weiß ich gar nicht. Ich habe das vor ein paar Monaten mit meiner Schwester diskutiert. Alle Kinder sind ziemlich eigene Dickköpfe, aber es gab nie große programmatische Ansagen unserer Eltern, ich weiß echt nicht genau, wo das herkommt. Also ich wurde weder politisch noch musikalisch/künstlerisch irgendwie in eine Richtung gebracht, sondern habe mir das selbst beigebracht. Es wurde weder über Politik diskutiert noch viel Musik gehört. Ich habe mit meinen Freunden auf der Forche diskutiert, wir haben uns selbst politisiert und ich habe am Anfang immer alleine gerappt und mir meinen HipHop selbst zusammengebaut. Ich habe aber gar nicht zu allem eine Meinung, sondern erst mal eine Haltung, mit der man natürlich nicht jeden Müll mitmachen kann. Was dann manchmal einen radikaleren Eindruck macht als beabsichtigt. Ich bin weniger radikal als dass die Welt in mancherlei Hinsicht radikal scheiße ist und ich eben Nein sage.

Ich wurde weder politisch noch musikalisch/künstlerisch irgendwie in eine Richtung gebracht, sondern habe mir das selbst beigebracht.

DEAD: Dein neuestes Album heißt “Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung das ganze”. Bist du selbst ein eher unordentlicher Mensch?

form: Ja, ich denke, dass ich eher nicht zur kompletten Ordnung neige. Ich würde gern die Sachen, bei denen Ordnung einfach extrem viel Sinn macht (Schreibtisch z.B.), trotzdem ordentlich abwickeln können. Andererseits profitiere ich in Sachen Nichtentfremdung sehr davon, dem Leben den Vorzug vor unwichtigeren Dingen wie dem Lebenslauf zu geben.

DEAD: Trennst du dein Künstler Dasein als form von deinem Leben als Privat-Mensch? Ist form der gleiche wie David, respektive David gleich form?

form: Nö, ich trenne da nicht so hart. Ist mir auch viel zu anstrengend, mir da ganz viel zu überlegen. Ich verstelle meine Stimme nicht, ich bin nicht genervt, wenn Fans mit mir reden wollen, ich komme klar. Ich habe natürlich auf der Bühne nicht dieselbe Attitüde wie auf einer Beerdigung. Eher wie beim Risiko spielen, haha. Aber für die wirkliche Trennung habe ich jetzt noch “porm” erfunden, der sagt Dinge, die man nicht mit mir als David verwechseln sollte. Und ich sage auch bei form-Tracks oft genug Sachen aus einer anderen Perspektive. Aber das wird in der Regel verstanden.

DEAD: Du hast dir mit der Zeit einen sehr eigenen Rap-Stil angeeignet, wie kommt das, hast du Vorbilder/Idole diesbezüglich gehabt?

Alle Künstler und HipHop-Menschen sagten, dass man einzigartig sein soll. Das finde ich auch jetzt noch einen ganz guten Anspruch an die eigene Musik.

form: Dass es mir wichtig ist, einen individuellen Style zu haben kommt daher, dass das zu Beginn meiner Rap-Sozialisation von allen, die ich gut fand, gefordert wurde. Alle Künstler und HipHop-Menschen sagten, dass man einzigartig sein soll. Das finde ich auch jetzt noch einen ganz guten Anspruch an die eigene Musik. Und an Menschen an sich. Eigenheiten sind wichtig. Blöd nur, dass sich das nicht immer auch als allgemeingültiges Qualitätsmerkmal durchsetzen konnte. Jedenfalls ist der Hauptvorwurf an mich, dass meine Musik so anders sei.

Ich liebe Flows, ich mag sechzehnsilbige Zeilen, Big Pun, Tash und atemloser Rap haben mich wahrscheinlich beeinflusst, jedenfalls habe ich das gefeiert. Aber eben auch alle anderen Guten, viel zu viele Richtungen. Und weil ich das alles mag, verfolge ich auch selbst viele unterschiedliche Ansätze.

DEAD: Deine Releases scheinen immer außergewöhnlich viele Tracks zu haben – wieso?

form: Das ist eigentlich nur bei den Untapes so, deren Konzept darin besteht, tatsächlich alles mögliche, das ich so mache, in einer Sammlung zu veröffentlichen. Da kommt dann auch viel zusammen, weil ich viel mache. Alles außer den Untapes und “Etüden aus Stahl und Scheiße” hatte immer viel weniger Tracks. Die nächsten Releases werden auch viel kürzer.

DEAD: In einem anderen Interview sagtest du mal etwas wie “Ich mag HipHop, ich mache HipHop, ich bin HipHop…” – was bedeutet für dich HipHop? Wie definierst du HipHop?

form: HipHop ist für mich das fröhliche Samplen von allem, was so rumfliegt und dessen Einbindung in einen eigenen Kontext. Ich will und kann aber nicht sagen, was HipHop an sich ist, dafür ist der Begriff zu groß und ein jeder sieht das dann doch wieder anders. Mir persönlich machen einfach sehr viele Aspekte daran Spaß. Die Battlerapmentalität, der Style, die Party als Keimzelle der Welt, die Offenheit allem gegenüber, was Leute eben einfließen lassen wollen.

DEAD: Danke für das Interview. Hast du noch irgendetwas, was du den DEAD Magazines LeserInnen mitteilen möchtest?

form: Ich möchte allen danken, die verstehen und mögen, was ich sage und zu sagen habe. Und die mir das mitteilen. Das freut mich tatsächlich.

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