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deadwords » interviews 12.06.2012
DEADbeats Vol.1 / Die Künstler / Brayaz

Brayaz als solchen braucht man wissenden DEAD Lesern kaum vorzustellen. Der Mann aus Bremen ist nicht nur für den Internetauftritt des DEAD Magazines, sondern auch für einen Track auf unserer Compilation verantwortlich. Mehr über den unglaublich sympathischen, (selbst)ironischen Tausendsassa erfahrt ihr im folgenden, kleinen Interview.

DEAD: Wer ist Brayaz?

Brayaz: Ein stark behaarter, glatzköpfiger, leicht neurotischer und dicklicher Mann mit Internetzugang aus Bremen.

DEAD: Seit wann produzierst du, und wie kamst du auf’s Musikmachen?

Brayaz: Seit ca. 10 oder 12 Jahren. Teilweise mit großen Unterbrechungen und immer alles sehr sehr langsam. Im Handbuch der Hip-Hop-Polizei habe ich früher gelesen, dass man Madlib-mäßig täglich ca. 20 Beats machen sollte. Bin daran kläglich gescheitert und mache seitdem ca. 12 Beats pro Jahr und fummel an denen dann gefühlte weitere 10 Jahre rum (wobei ich ca. 6 davon lösche). Fühle mich sehr sehr gut damit!

Intensives Interesse an Musik hatte ich schon immer, zum Mucke machen kam ich somit damals ausschliesslich durch’s Musik hören. Keiner aus meiner Familie hat je ein Musikinstrument angefasst und die Plattensammlung meiner Eltern beschränkte sich auf ABBA, Roxette und Chris de Burgh. Ich habe auch irgendwie ein Problem damit, zu sagen, dass ich Musik mache. Letztendlich Fummel ich doch nur irgend ein Zeug zu irgend einem neuen Zeug zusammen. Ob das jetzt Sounds, Farben oder Wörter sind.

Als Hip-Hop-Kiddie der 90er mit ländlichem Background konzentrierte ich mich verstärkt aufs Hood-Representen durch das Studieren der drei besprühten Brückenfpeiler meiner Gegend und wurde zum Wochenend-Writer. Nebenbei interessierte mich dann doch schon irgendwie, wie der dazugehörige Soundtrack, den ich da die ganze Zeit höre, produziert wird. Durch’s Ablegen der Musikscheuklappen, das Entdecken der “Crates” und dem sowieso schon vorhandenen Spaß am collagieren kam dann der logische Schritt zum Beats bauen. Außerdem hat Fast Forward von STF in einem Interview Ende der 90er mal voller Empörung gesagt, das “heutzutage jeder Vollidiot mit der richtigen Software und ohne Talent Beats bauen kann”. Kein Witz, das hat mich voll angesprochen!

DEAD: Was bedeutet progressiver HipHop für dich?

Brayaz: Zuerst einmal nichts Anderes als eine Genre-Schublade, die manchmal hilfreich ist aber auch oft in die Irre führt. Hauptsächlich eine Alternative. Irgendwie anders, gerne auch komplex oder anstrengend und störend.

DEAD: Gibt es sonst noch irgendetwas, das DEAD Magazine Leser über Brayaz wissen sollten?

Brayaz: Das wichtigste: siehe erste Frage! Außerdem kommt 2023 mein neues Album auf ZIP-Disc raus (inkl. Downloadcode für die MiniDisc-Version). Alles weitere erfährt man eventuell auf meinem Blog!

http://www.brayaz.de/
http://brayaz.bandcamp.com/
Text:
Foto(s): Jan Trussner
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