Xndl_startteaser
deadwords » interviews 12.12.2011
Was macht XNDL eigentlich gerade so?

Eine Veröffentlichung hier, ein kleines Release da, zwischendurch noch Vater geworden, studiert, einen Mailorder aus dem Boden stampfen – XNDL ist umtriebig, ein Workaholic, der seine Zeit nutzt und genau abwägt was er tut. Wir haben mit ihm ein wenig über seine Vergangenheit sowie über seine aktuellen Tätigkeiten gesprochen und dabei so einiges interessantes nicht nur über sein Alias XNDL sondern auch den Mensch dahinter, Thomas Berger, erfahren.

DEAD: Dein letztes Release war die im Jahr 2010 erschienene Memory 7″ zusammen Bit-Tuner, Mattr. und Kaeoflux auf Mism Records. Davor etliche digitale Veröffentlichungen und CDrs. Hat es sich für dich nicht mehr gelohnt, Musik auf Vinyl zu veröffentlichen?

XNDL: Es lohnt sich generell immer, etwas auf Vinyl zu veröffentlichen, ob sich das finanziell äußert, kann ich heute nicht mehr beurteilen, weil ich jetzt mehrere Jahre aus dem aktiven Labelgeschäft heraus bin und nur noch am Rande ab und an etwas mitbekomme, wenn ich z.B. mal mit Günter von Equinox Records oder Gordon von Project Mooncircle Kontakt habe. Grundtenor ist jedenfalls, dass es offenbar nicht einfacher ist, als zu Subversiv*Rec. Zeiten und damals war es auch nicht so, dass sich Platten von alleine verkauft haben.

Für mich ist Vinyl, bzw. Hardware im Allgemeinen nach wie vor etwas Besonderes.

Für mich ist Vinyl, bzw. Hardware im Allgemeinen nach wie vor etwas Besonderes und ich habe auch vor, noch das ein oder andere Mal etwas auf diesem Medium rauszubringen. Das Material für ein konkretes Projekt ist auch schon fertig und ich hatte auch schon ein Vorgespräch mit einem anderen Label, welches sich um die Veröffentlichung kümmern möchte. Ich hoffe, dass es klappt und im Frühjahr/Sommer 2012 nochmals eine Veröffentlichung von mir in Form von Vinyl kommt.

Gerade jedoch eben solche Labelarbeit, administrative, organisatorische und Marketing-Themen sind es, die sich für mich nicht mehr “lohnen”. Da habe ich einfach andere Prioritäten im Moment und absolut keine Zeit dafür. Solche Aufgaben kann man einfach nicht nebenbei machen, so etwas muss kontinuierlich und konstant betrieben werden und man darf auch den Bezug zur Szene nie verlieren.

DEAD: Was war der Anlass SUBVERSIV*REC. zu beenden? Und warum dann ein Neustart mit COGNITIVE*DEFECT?

XNDL: Es gab mehrere Gründe, das Label zu beenden, der finanzielle Aspekt war aber nicht wirklich einer der schwerwiegendsten davon. Das Label konnte sich zu jeder Zeit finanzieren, war also stabil. Was Matt und vor allem mir aber gefehlt hat, war die Perspektive. Sehe ich keine Zukunft oder Potential in irgendwelchen Dingen, verliere ich in der Regel sehr schnell die Lust daran und stemple es schlichtweg als “Zeitverschwendung” ab. Zudem hatte ich zu diesem Zeitpunkt mein zweites Studium abgeschlossen und bereits eine Festanstellung in der Tasche, die mir erst einmal Perspektiven gab, zumindest beruflich gesehen und weniger privat, was Subversiv*Rec. für mich immer gewesen ist.

Da ich aber auch ein Mensch bin, der sich gerne Alternativen bereit hält, habe ich diese mit Cognitive*Defect installiert. Ich wollte einfach die Option haben, auch weniger “professionell” und spontan etwas zu veröffentlichen. Auf JEDEM Kanal, auch z.B. als Digital Release, was wir nie ernsthaft auf Subversiv*Rec getan hätten. C*D ist nichts weiteres als ein “Plan B”, wird aber nie ein richtiges Label werden und nur auf Abruf aktiviert. Ich denke, dass ich vielleicht nochmals eine kleine Kollektion an alten Tracks dort veröffentlichen werde und auch noch eine Art “Live-Album” von einem Mitschnitt eines Auftrittes vom September 2011 schwirrt mir im Kopf herum.

DEAD: Hattest du HipHop satt und produzierst deshalb in letzter Zeit vermehrt elektronische Musik?

Es war nie mein Ziel HipHop zu produzieren.

XNDL: Ich denke, ich habe eigentlich noch nie HipHop produziert, oder doch? Auch meine Musik für Ancient Mith als RushYa oder die Gunporn Geschichte mit Bleubird / Cavemen Speak / Stacs of Stamina war immer vorwiegend elektronisch gehalten und ich hatte zumindest nie das Ziel, HipHop zu produzieren ;).

Wir haben auch mit Subversiv*Rec versucht, uns da nicht in eine Ecke drängen zu lassen und auch deswegen sehr oft Ausfüge in elektronische / experimentelle Gefilde getätigt. Wir haben ca. 45 Releases veröffentlicht und davon werden wohl kaum mehr als die Hälfte HipHop im herkömmlichen Sinne enthalten. Wenn ich heute ein gutes HipHop Album höre, freue ich mich genauso, als wenn es ein gutes Metal, Elektronik, Pop, Rock oder sonstiges Werk ist. Für mich ist das alles nur Musik… wobei ich leider sagen muss, dass ich in letzter Zeit wirklich nicht viele gute Hip Hop Alben gehört habe ;).

DEAD: Wie aktiv ist das Offbeaters Network noch?

Ich habe vor, alte Kontakte mit dem Stuffbeaters.de Projekt wieder zum Leben zu erwecken.

XNDL: Die letzten Jahre war es eigentlich komplett inaktiv, zumindest als Kollektiv betrachtet. Ich habe aber vor, alte Kontakte mit dem Stuffbeaters.de Projekt wieder zum Leben zu erwecken und möglicherweise wieder Ansatzpunkte zu finden. Das nächste Jahr wird zeigen, ob dies möglich ist und wenn nicht, dann bleibt es in guter Erinnerung. Ich bin bei solchen Themen relativ emotionslos. Mein Lieblingszitat zu solchen Themen ist immer “Was interessiert mich das Geschwätz von gestern…?”

DEAD: Du, der du die Wurzel im Turntablism und Djing hast, in wie weit hat dich der “digitale Wahnsinn”? Sammelst du selbst noch Platten oder bist du mittlerweile auch auf Serato/Traktor und Konsorten umgestiegen?

XNDL: Ich sammle nicht mehr, habe vor ca 3-4 Jahren damit aufgehört nach gut 20 Jahren und bin auch dabei, meine Sammlung mit ca 3000+ Platten langsam aufzulösen und die Sachen zu verkaufen.

Grundsätzlich möchte ich jedoch noch ein paar Lieblingsstücke behalten und einen Plattenspieler + Mixer wird in Zukunft einen festen Platz in meinem Musikzimmer haben.

Da ich seit einiger Zeit nicht mehr auflege, sind Platten auch hier kein Thema mehr, ebenso Traktor usw. nicht, da ich das einfach nicht brauche. Ich habe mir mal ein Finalscratch gekauft, das Teil ein paar Mal benutzt und seitdem verstaubt es in der Ecke.

Wenn ich heute öffentlich in Erscheinung trete, dann spiele ich nur noch meine eigenen Sachen, bzw. mache dann Live-Sets, soweit dies als Solo-Aktivist möglich ist. Zu meiner Turntablism Zeit waren wir ja als Crew zu dritt und da hat man natürlich ganz andere Möglichkeiten als alleine… Es macht aber trotzdem noch immer Spaß, wenn man es nicht zu oft macht und davon nicht leben muss…

DEAD: Als Dipl.-Informationswirt, Labelmanager, Musiker, Grafiker, Familienvater und Privatperson – woher nimmst du die Zeit und die Kraft, immer wieder neue Projekte ins Leben zurufen, wie kürzlich den Stuffbeaters Mailorder?

Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke. Entweder – im schlimmsten Fall – die Familie, die Gesundheit, Freunde oder man selbst…

XNDL: Gut, alles mache ich ja nicht immer zum gleichen Zeitpunkt, sondern immer, wenn mir danach ist. Aber generell ist der Zeitfaktor auf jeden Fall ein Problem. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke. Entweder – im schlimmsten Fall – die Familie, die Gesundheit, Freunde oder man selbst, oder auf den anderen Seite der unaufhaltsame Drang, immer produktiv sein zu müssen.

Da ich eher wenig Interesse an sozialen Kontakten außerhalb der Familie habe, nicht sonderlich viel schlafe und auch sonst versuche, zu wenig Zeit wie möglich zu “verschwenden”, kann man schon einiges schaffen. Im Großen und Ganzen würde ich es als eine Mischung aus Effizienz, Disziplin, Priorisierung und Egoismus bezeichnen. Das ist, was man braucht, um einigermaßen qualitativen und auch anspruchsvollen Output, in welcher Form auch immer, zu fabrizieren. Es gibt nichts, was ich mehr hasse als Stillstand und Unproduktivität.

DEAD: Was genau war die Grundidee, der Antrieb hinter der Idee Stuffbeaters, und wer sind die Hauptverantwortlichen? Und was unterscheidet euch von den vielen anderen Mailordern?

XNDL: Die Idee einen Online-Shop in diesem Bereich zu machen, ist schon mehr als 10 Jahre alt. Ich habe damals schon, eher laienhaft und ohne einen realistischen Rahmen und Nährboden, mit meinem ehemaligen Mitbewohner und heutigem Geschäftspartner Marcus A., den man vielleicht von meinen Split Releases noch als “CFX” kennt, an dieser Idee gearbeitet. Wir haben sporadisch immer wieder darüber gesprochen und dann letztes Jahr gesagt, dass wir das probieren und angehen wollen. Ich habe dann noch unseren dritten im Bunde, André S., für den Bereich der Technik gewinnen können und nun sind wir komplett. Jeder von uns hat seinen Bereich und trotzdem noch ein gewisses Maß an Überblick und Kompetenz, um zu überschauen, was der andere macht. Alles was wir nicht selbst machen können, “outsourcen” wir. Sprich, wir haben ein gutes Netzwerk an fähigen Leuten, die in den verschiedensten Themengebieten agieren. Nichts anderes war es bei Subversiv*Rec. Dieses Prinzip halte ich für überaus effizient und flexibel handhabbar.

Was unterscheidet uns von anderen? Unser Claim, der sich noch viel mehr in die Praxis umsetzen muss und auch wird: Clothing – Music – Arts´n´Stuff

In erster Linie dürfte es wohl unser Fanatismus sein, eine mehr als exzellente Vernetzung und wunderbare Connections und das Wichtigste, eine Portion Größenwahn und einen Background und fachliches KnowHow, welches man sich normalerweise nur mit sehr viel Geldeinsatz einkaufen kann. Marcus und ich kommen aus der Skateszene, sind lange Jahre selbst gefahren und er ist heute zudem noch als Leiter eines stationären Skate- und Lifestyle-Ladens aktiv. Den Musikbereich wage ich einigermaßen zu überblicken und im Großen und Ganzen denke ich, dass man uns abnehmen könnte, was wir hier tun. Zumindest kann man es uns nicht absprechen…

Wir machen alles selbst, die Auswahl der Artikel, die Technik, die Logistik, das Marketing, die Kooperationen, die Events, bzw. Organisation usw.

Wir sind im August 2011 gestartet und haben bis heute (November 2011) knapp 6000 Artikel in den Shop gepumpt und ich traue mich zu sagen, dass man nicht erkennt, dass unser Shop ein “Hobby”- und (noch) Teilzeitprojekt von drei Leuten ist. Wir machen alles selbst, die Auswahl der Artikel, die Technik, die Logistik, das Marketing, die Kooperationen, die Events, bzw. Organisation usw. Es gibt sicherlich Shops, die das besser und schneller können, sie werden aber auch nicht unsere Kosten- und Personalstruktur haben, von der Flexibilität und Entscheidungsfreiheit mal ganz abgesehen ;).

Im nächsten Jahr werden wir das Ganze weiter ausbauen und die Sparten Musik, Kunst und Events kontinuierlich implementieren. Wir werden dann, um auf deine Frage mit dem Offbeat Network zurückzukommen, alte und auch neu Kontakte zu Kooperationspartnern aufbauen, um somit noch stärker zu werden und auch die jeweiligen Partner an diesem Wachstum teilhaben lassen. In welche Form auch immer… Wir sind für jedes Kooperationsgespräch zu haben und so flexibel, dass man in der Regel auch für jeden Partner ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen kann.

Ziel ist es, in 2-3 Jahren das Thema so aufgebaut zu haben, dass man sich auch “Späße”, wie z.B. ein Label, eine Eigenmarke oder eine Eventagentur als Tochterunternehmen leisten kann. Ist dies nicht realisierbar, kann man sich wenigstens nicht vorwerfen, es nicht probiert zu haben…

Wer hier also glaubt, er könne einen Teil dazu beitragen, soll sich gerne bei mir/uns melden. Wir können jeden gebrauchen, der einen Beitrag zum Aufbau der Organisation bringen möchte. Grafiker, Musiker, Vertriebler, Online-Marketing Experten, Fotografen, Eventmanager usw.

DEAD: Bei den Stuffbeaters agierst du unter deinem bürgerlichen Namen, Thomas Berger. Ist die musikalische Karriere von XNDL vorerst auf Eis gelegt oder darf man in Zukunft weitere Releases erwarten? Wirst du in absehbarer Zeit Live-Gigs haben? Irgendwelche Kollaborationen?

Als XNDL bin ich nach wie vor aktiv. Man kann mich gerne für Live-Acts buchen oder auch gerne mal für ein Release.

XNDL: Da der Shop eine “UG”, also die Vorstufe einer “GmbH” ist und ich eingetragener Gesellschafter bin, ist es notwendig, unter meinem bürgerlichen Namen zu agieren. Das ist der einzige Grund. Als XNDL bin ich nach wie vor aktiv. Man kann mich gerne für Live-Acts buchen oder auch gerne mal für ein Release. Das läuft im Moment ganz gut und mir reicht es, wenn ich 1-2 Mal pro Jahr einen Auftritt habe. Im September habe ich z.B. auf einem größeren lokalen Festival gespielt und das war auch ganz nett…

Persönlich würde ich mir jedoch wünschen, ab und an auch wieder mehr auf Releases vertreten zu sein. Auch wenn es “nur” mal ein Beitrag für eine Compilation ist. Ich habe sehr viel Material zu Hause, unterschiedlichster Spielart und finde es schade, wenn es dort ungehört bleiben würde. Selbst zu veröffentlichen ist mir im Moment zeitmäßig nicht möglich. Ich möchte auch noch nicht aufhören und produziere ohnehin regelmäßig, was sich nie geändert hat. Für Kollaborationen bin ich auch offen, im Moment steht hier aber auch nichts an. Viele scheinen zu denken, dass ich da komplett raus bin. So ist das aber nicht, wie man jetzt lesen kann ;).

DEAD: Bitte vervollständige folgende vier Sätze:

XNDL ist… ein sehr großer Teil von Thomas Berger
Ich bitte darum, dass… ich wüsste nicht, um was ich bitten sollte.
“2.0″ bedeutet für mich… eine logische Konsequenz, mehr oder weniger irrelevanter Vorgänger von 3.0 und nichts anderes als ein Schrittchen in der Evolution, die uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind und morgen sein werden…
What is a DJ if he can’t… evolve to something else than a DJ.

DEAD: Danke für deine kostbare Zeit und das Interview. Gibt es noch etwas, dass du den DEAD Lesern mitteilen möchtest?

XNDL: Vielen Dank für das Interesse und die Aufmerksamkeit. Schaut einfach mal bei uns rein unter www.stuffbeaters.de und wenn ihr dann noch etwas Schönes findet, freut uns das umso mehr…

Ach ja, macht doch bei unserem DEAD Magazine-Gewinnspiel mit, damit es sich noch mehr lohnt, bei uns reinzuschauen… ;)

Unterstützt den Independent-Bereich so gut wie es geht, nur so kann er überleben.

Und zu guter Letzt… unterstützt den Independent-Bereich so gut wie es geht. Denn nur so kann er überleben. Egal, ob Label, Brand, Shop, Künstler… Man kann immer irgendwo downloaden oder etwas billiger, toller und schneller bekommen. Ich bin jedoch ein Freund davon, gezielt gewisse Institutionen und Leute zu unterstützen, weil ich weiß, wir hart es ist, aus eigener Kraft etwas auf die Beine zu stellen und dies am Leben zu erhalten.

Hier geht’s zur DEAD-Stuffbeaters Verlosung:
DEAD Verlosung #8 – Stuffbeaters

http://xndl.de/
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