misanthrop_cocon_-_gefahren_im_anzug_cover_500px Label: postrap
Medium: CD, Digital, 7"
Released: 9. September 2011
deadpress » reviews15.11.2011
Misanthrop & Cocon: Gefahren im Anzug

Wollte man einen Ort finden, wo man das Album der Künstler Misanthrop und Cocon hinstecken kann, dann wäre keine Sparte passender als “Desillusionsrap”. Durchtränkt von Realismus, schlägt das Album eine Schneise durch den Speckgürtel mainstreamigen Posergehabes, der im Begriff ist, selbst die Post-Musiken zu vereinnahmen – glattgebügelt und bar jedes intimen Bezugs.

“Alle Bücher, die ich nie geschrieben habe, fallen in schlecht choreografierten Träumen aus überprallen Regalen auf mich, während frühere Freunde unverständlich aus ihnen zitieren.” Leicht zugänglich wirken manche Zeilen beim ersten Hören nicht, Sinn ergeben die Phrasen oft zwischen den Zeilen. Cocon und Misanthrop rappen an gegen Trivialität und Platituden. Bei intelligenten Reimen, die zum Denken auffordern, bleibt beim Hörer ein Eindruck von Augenhöhe – und das ist bemerkenswert. Die Tracks offenbaren reflektierte Texte, die höchstens auf den ersten Eindruck herausgerotzt wirken, eher introvertiert als aufdringlich. Verspielt und dennoch scharf auf den Punkt intoniert. Während Cocons Lyrik um die Leere der individuellen Einsamkeit kreist, bricht er selbst den Zirkel, indem er in “Schwereloser” offenbart: “Wo ich steh ist kein Boden in Sicht”.

Die Album wurde von Misanthrop arrangiert und produziert. Ihm ist der Spagat gelungen, Sounds unterschiedlichster Musikrichtungen in den Sampletopf zu werfen und daraus einen ausgewogenen Stilmix zu generieren, der sich abwechslungsvoll durch das Album zieht. Old-school-Beats treffen auf Triphop und Drum’n'Bass, während Metallophon und Dudelsack tönen oder eine Hammond aus den 60ern flötet.

“Hoffnung brauchst du nur wenn sie dir fehlt, und wir haben uns im Suchen gefunden”, rappt Cocon in “Nord-Süd-Gefälle”. Wer die Suche nach gutem Sound eigentlich schon aufgegeben hat, kann bei diesem Album wieder Hoffnung schöpfen.

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