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deadwords » interviews 10.11.2011
J. Baracuz – Zeitzeuge


DEAD Autor Kolja Liebau hat für uns den Equinox Records Künstler J. Baracuz interviewt. Eine Besonderheit an der Geschichte ist, dass die beiden sich persönlich kennen, aber lest selbst:

Es ist gut drei Jahre her, da traf ich J. Baracuz, der zufällig an der selben Uni studierte. Das war kurz nachdem eine alternative Version seines Tracks „Yellow Cab“ auf der „One Year & A Day – The 5inch Files“ Compilation auf Equinox Records erschien. Der Track stammte ursprünglich von seinem Debüt „Lasergun Romances“ (2006), welches er mir damals schenkte. Ein ambitioniertes Album, dem man die frickelige, genaue Arbeit anhören konnte. Bald darauf zog er zurück nach Berlin und legte berufsbedingt eine Schaffenspause ein. Am 28.10.2011 erschien nun seine neue EP „A Contemporary Witness“ auf Equinox.Digital, die Gelegenheit J. Baracuz mal wieder zu treffen.

DEAD: Unsere Wege haben sich zufällig gekreuzt, wie viel Zufall steckt in deiner Musik?

J. Baracuz: Also eine gewisse Portion Zufall steckt auf jeden Fall in meiner Musik. Die besten Sachen entstehen eh meistens dann, wenn man nicht allzu sehr darüber nachdenkt. Und ob ein Sample von der einen Platte mit einem Sample von einer anderen Platte zusammenpasst, ist schlussendlich ja auch eher Zufall.

DEAD: Stichwort Sample. Du gehörst noch zu der Fraktion der Producer, deren Musik auf Samples ausgerichtet ist. Das „Diggen“ von möglichst originellen Platten gehört also dazu, etwas das bei manch neuerer Hip-Hop Produktion keine Rolle mehr spielt. Die Suche nach Samples nimmt somit schon einen Großteil des Produzierens ein, was bedeutet dir diese Phase des Musikmachens?

Das Suchen nach möglichst originellen und unbekannten Samples ist daher die Grundlage für meine Musik.

J. Baracuz: Sehr viel. Ich ziehe meine Inspiration häufig aus einem coolen Sample, das ich finde. Das ist sozusagen der Startpunkt für einen neuen Track. Das Suchen nach möglichst originellen und unbekannten Samples ist daher die Grundlage für meine Musik. Außerdem sammle ich auch einfach gerne Schallplatten und selbst wenn man mal keine schönen Samples findet, entdeckt man einfach immer wieder sehr viel gute neue bzw. alte Musik.

DEAD: Gerade weil du noch ein Vinyljünger bist, wie ist es für dich deine Musik in digitaler Form zu releasen?

J. Baracuz: Das ist schon ok für mich. Viele Leute hören einfach keine Schallplatten mehr heutzutage, geschweige denn, dass sie einen Plattenspieler haben. Da muss man einfach mit der Zeit gehen. Ich laufe ja auch draußen mit einem Mp3-Player durch die Gegend. Zum richtigen Musikhören bleibt Vinyl aber für mich die allererste Wahl.

DEAD: Ich hab das Gefühl, dass viel Musik, die man nur in digitaler Form auf dem Rechner hat, oft gar nicht gehört wird oder eben nur als Hintergrund. Wer eine Platte auflegt, der nimmt sich auch mal Zeit nur zum Musikhören.

J. Baracuz: Ja klar, das ist auf jeden Fall so. Das ist ja auch ein Grund, warum Alben immer mehr an Bedeutung verlieren, weil sich jeder seine Lieblingssongs rauspicken kann und sich dann eine riesige Playlist mit seinen Favoriten zusammenstellt. Wenn du ein Album auf Vinyl hörst wird das Ganze viel mehr zelebriert.

DEAD: Du hattest eine kreative Schaffenspause eingelegt. Bist du dann wirklich deiner Musik abstinent oder ist es mehr eine Phase des Ausprobierens, ohne Tracks fertigzustellen?

Ich habe schon viel rumprobiert, vor allem um mich selbst musikalisch wiederzufinden.

J. Baracuz: Nein, “abstinent” war ich nicht. Ich habe schon viel rumprobiert, vor allem um mich selbst musikalisch wiederzufinden. Ich war mir eine ganze Zeit lang nämlich nicht mehr sicher, was ich soundmäßig eigentlich wirklich machen will.

DEAD: Dann ist „A Contemporary Witness“ das Resultat dieses Wiederfindens? Ist es im Nachhinein der Sound geworden, den du machen wolltest und willst?

J. Baracuz: Ja, zu diesem Zeitpunkt, als die Tracks entstanden sind, war es der Sound den ich machen wollte. Ich sehe das alles aber als Entwicklung und möchte mich auch überhaupt nicht auf einen speziellen Sound festlegen. Für mich muss Musikmachen in erster Linie Spaß machen, es ist ein ständiges Ausprobieren. Man entwickelt sich immer weiter.

DEAD: In welchem Zeitraum sind die vier Tracks entstanden?

J. Baracuz: Die grundlegenden Arrangements sind so in drei bis vier Monaten entstanden. Zwischen Dezember 2010 und dem Frühling 2011. Gemischt habe ich die Sachen dann allerdings erst später.

DEAD: Ich muss sagen, „One Way Ticket“ gefällt mir sehr gut! Überraschend und stimmig zugleich. Favorisierst du einen Track von deiner neuen EP?

J. Baracuz: Nein, einen wirklichen Favoriten habe ich persönlich nicht. Ich sehe die EP als ein Ganzes und damit bin ich sehr zufrieden. “One Way Ticket” ist aber auf jeden Fall der modernste Track auf der EP. Ich sehe „A Contemporary Witness“ aber auch ein bisschen zweigeteilt. Während „The Overture“ und „Everyone´s The Same“ noch ein wenig an meine alten Sachen anknüpfen, gehen die anderen beiden Tracks in eine neue Richtung.

DEAD: Hat sich denn bei der Herangehensweise oder dem benutzten Equipment etwas verändert im Hinblick auf dein Debüt „Lasergun Romances“?

Ich habe einfach versucht noch ein bisschen mehr “Menschlichkeit” reinzubringen.

J. Baracuz: Ja, auf jeden Fall. Ich habe viel intuitiver gearbeitet und mehr mit MPD und Keyboard live eingespielt, ohne es danach noch großartig nachzubearbeiten (Quantisierung etc.). Ich habe einfach versucht noch ein bisschen mehr “Menschlichkeit” reinzubringen. Einige Synths zum Beispiel sind One Takes mit gewollten Ungenauigkeiten und kleinen Fehlern. Bei „Lasergun Romances“ war die Herangehensweise einfach viel verkrampfter und perfektionistischer. Davon habe ich mich versucht freizumachen.

DEAD: Tracks entstehen ja in bestimmten Lebenslagen und erzählen so auch Autobiographisches. Gibt es zu einem Track deiner neuen EP eine besondere Geschichte?

J. Baracuz: Eine spezielle Geschichte zu einem Track gibt es nicht. Aber für mich war die Arbeit an der EP schon so etwas wie eine musikalische Therapie um mit mir selbst wieder ins Reine zu kommen. Von daher hat jeder Track schon irgendwie einen persönlichen Bezug und auch einen Hintergrund, aber das sollte jeder für sich selbst interpretieren.

DEAD: Hast du eigentlich ein Live-Set?

J. Baracuz: Ich bin grade dabei mich ein bisschen näher mit dieser Thematik zu beschäftigen und die neuen Tracks für live Sachen vorzubereiten.

DEAD: Ich weiß, dass RJD2 für dich eine Inspirationsquelle ist. Gibt es andere Künstler die größeren Einfluss auf deine Musik haben?

Ich lasse mich eigentlich von allem inspirieren was ich an Musik höre.

J. Baracuz: Ich lasse mich eigentlich von allem inspirieren was ich an Musik höre. Seien es alte Platten oder sei es neues Zeug, was gerade rauskommt. Irgendwie saugt man ja alles in sich auf (häufig auch unbewusst) und was dann am Ende dabei rauskommt, wenn man selbst Musik macht, ist das Produkt dieser Einflüsse. Wirklich spezielle Künstler auf die ich mich jetzt beziehen könnte, gibt es aber nicht. Ich habe schon immer versucht meinen eigenen Stil zu finden und mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Aber das ist natürlich bei der Reizüberflutung heutzutage unmöglich.

DEAD: Gibt es neben deinen Veröffentlichungen als J. Baracuz Bands oder andere Projekte?

J. Baracuz: Nein, momentan nicht. Ich habe eine ganze Zeit lang mit einem Freund an seinen Songs gearbeitet. Musikalisch ging das in eine völlig andere Richtung als meine Musik. Aber ob von diesen Sachen jemals etwas das Licht der Welt erblicken wird, weiß ich nicht. Das Projekt liegt momentan auf Eis.

DEAD: Wohin soll es gehen, hast du konkrete Pläne?

J. Baracuz: Nein, konkrete Pläne gibt es nicht, ich lasse alles auf mich zukommen. Ich möchte einfach nur Musik machen, Spaß dabei haben und wenn auch noch ein paar gute Tracks dabei rauskommen, bin ich sehr zufrieden.

DEAD: Dann danke ich dir für das Interview!

J. Baracuz: Ich danke dir.

„A Contemporary Witness“ ist auf Equinox.Digital erschienen.

Dank freundlicher Genehmigung von Equinox Records und J. Baracuz dürfen wir euch den Track “Jazzy Conqueror” als exklusiven Freedownload anbieten.

Exklusiv-Download:
J. Baracuz – Jazzy Conqueror

http://www.e-q-x.net/artists/j_baracuz/
Text:
Foto(s): Mircea Craculeac
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