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deadwords » features 19.09.2011
Astronautalis – Auf ewiger Mission, die Welt zu erkunden

Astronautalis’ Reise begann als er 1981 als Charles Andrew Bothwell in Jacksonville, Florida, geboren wurde. Er selbst beschreibt sich als einen Süd-Staaten-Rapper, der während seiner Jugend viel Zeit mit Indie Rock und Punk-Musik verbrachte. Mit diesem Wissen im Hinterkopf erhält man eine klarere Sicht auf Astronautalis’ Werke. Denn seine Musik ist nicht leicht einzuordnen, Genregrenzen werden mit großer Vorliebe gesprengt und miteinander vermischt. Dennoch sieht er sich, seiner eigenen Beschreibung zufolge, ganz klar der HipHop-Kultur verschrieben. Nach drei Alben, die alle einen eigenen signifikanten Charakter haben, steht nun sein viertes Werk “This Is Our Science” kurz vor dem Release. Und dieses Mal geht er völlig neue Wege – angefangen damit, dass das Album auf dem Label Fake Four Inc., welches sich über eine immer größere Popularität erfreuen darf, released wird. Astronautalis erreicht damit eine sehr bedeutsame Zwischenstation auf seiner Reise, die nun doch schon eine beachtliche Weile andauert.

“Jeder einzelne Song auf diesem Album beinhaltet eine wahre Geschichte aus meinem Leben.“

Über sieben Jahre sind bereits vergangen, seit sich Astronautalis dazu entschieden hat, sein Opern- und Theaterregie-Studium zu schmeißen und sich als Vollzeitmusiker zu versuchen. Den größten Teil dieser sieben Jahre verbrachte er auf Tour, sammelte viele Erfahrungen, nahm an diversen Freestyle-Contests teil, gewann neue Freunde und wird nun ein Album veröffentlichen, dass um einiges autobiografischer ist, als es seine Vorgänger waren. “Anstatt Geschichten von alten toten Generälen und Seglern zu erzählen, schreibe ich nun über die letzten sieben Jahre, die ich auf Reisen verbracht habe. Jeder einzelne Song auf diesem Album beinhaltet eine wahre Geschichte aus meinem Leben.” Diese neue Vorgehensweise lässt auf eine starke Intimität und tiefe innere Einblicke hoffen. Mit “This Is Our Science” wird uns vermutlich ein Astronautalis Album erwarten, das noch offener sein wird als es seine bisherigen Alben bereits waren und das wohl ein sehr breites Spektrum an wahren Geschichten enthalten wird. Und wenn Astronautalis eines schon immer beherrschte, dann war es die Fähigkeit die Menschen mit seinen Geschichten in den Bann zu ziehen und sie tief abtauchen zu lassen.

“Fake Four ist ein fantastisches Label mit einer langen Liste an großartigen Künstlern.”

Eigenen Angaben zu Folge hatte Astronautalis noch nie positive Erfahrungen mit Labels sammeln dürfen. Er fühlte sich stets eingeengt in dem was er tat. Doch dies scheint sich nun dank der Zusammenarbeit mit Fake Four Inc. ebenfalls geändert zu haben. “Sie lassen mich das Album so machen wie ich es wirklich machen will, mit dem Personal, das ich auswähle und lassen mich sogar mit ihrem Geld machen, was ich will. Fake Four ist ein fantastisches Label mit einer langen Liste an großartigen Künstlern.” Durch Fake Four Inc. wird es ihm nun ermöglicht, die Ideen zu Songs und ihre Aufnahme so zu verwirklichen, wie er es sich wirklich vorstellt und dadurch kann er letztendlich sein gesamtes Business in vollen Zügen genießen. Man darf also gespannt sein, wie sich diese Freiheit und seine neu gewonnene Freude an seinem Job auf “This Is Our Science” auswirken wird.

Nicht nur die Labelpolitik hat sich für Astronautalis geändert, vor kurzem schloss er auch seine erste Tour zusammen mit einer Live-Band ab. Dies war für ihn eine weitere prägende Erfahrungen und wenn man ihn beim Worte nimmt, fühlt es sich nun “grässlich” an, wieder alleine auf der Bühne stehen zu müssen. Bei den Konzerten mit der Band, so Astronautalis, wurde ihm Gewicht von seinen Schultern genommen, er konnte sich mehr auf seine eigene Performance konzentrieren und weiter gehen, als es ihm alleine möglich gewesen wäre.

“Ich war in über zwanzig Ländern und ich will noch mehr von dieser Welt erkunden. Viel mehr.”

Astronautalis war schon immer und wird auch immer ein Mann auf Reisen bleiben. Auf die Frage, welche Wünsche er sich in Zukunft gerne noch erfüllen würde, antwortete er nur: “Ich möchte in Afrika, Asien und Süd Amerika touren. Ich will mehr von Ost- und Süd-Europa sehen. Ich war in über zwanzig Ländern und ich will noch mehr von dieser Welt erkunden. Viel mehr.” Reisende soll man nicht aufhalten – und da genau diese Reisen und die Geschichten, die er dabei aufsammelt, seine Inspirationsquelle darstellen, wird wohl niemand auf die Idee kommen ihn davon abzuhalten, die Welt weiter zu erkunden. Denn als Ergebnis seiner Erkundungen erwarten uns immer wieder neue, zu dem sehr starke, Werke. Nun steht allerdings erstmal eine vierzig Gigs starke US-Tour auf dem Plan. Wann er zurück nach Europa kommen werde, konnte er uns leider noch nicht sagen. Ob er uns dann die Ehre mit seiner Live-Band geben wird, bleibt nur zu hoffen, ein Erlebnis wäre es wohl allemal.

“This Is Our Science” wird vermutlich am 23. September in Deutschland auf den Markt gebracht werden und spätestens an diesem Tage wird man endgültig erfahren, wie stark der Einfluss des neuen Labels und der damit verbundenen Freiheit wirklich gewesen ist. Eines ist auf jeden Fall sicher, man darf sich auf zehn (abzüglich des kurzen Outros) autobiografische Geschichten und vermutlich eines der ganz großen und interessantesten Alben des Jahres freuen. Denn wenn man sich die Zeit nimmt auf seine bisher veröffentlichten Werke zurückzublicken, die allesamt auf ihre eigene Art und Weise überzeugen konnten, so erkennt man, dass die Chancen nicht schlecht stehen, dass selbst diese recht hohen Erwartungen wieder einmal erfüllt werden könnten. Und zumindest die erste Singleauskopplung “Dimitri Mendeleev”, produziert von Anticon Altmeister Alias, stellt dies eindrucksvoll unter Beweis.

Niemand, wohl nicht einmal Astronautalis selbst, wird sagen können, wo er sich in fünf Jahren befinden und wie sich sein musikalisches Schaffen bis dahin entwickelt haben wird. Gespannt darauf darf man jedenfalls sein und man sollte ihn auf seiner fortwährenden Reise auf keinen Fall aus den Augen verlieren.

http://astronautalis.com/
http://www.fakefourinc.com/
Text:
Foto(s): Megan Thompson, C. A. Bothwell, Kris Krug
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