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deadwords » interviews 09.09.2011
Deckard – Entführung auf audiophile Reisen

Deckard, ein Künstler dessen Namensgebung eine Verbeugung vor einem filmischen Meisterwerk und Klassiker ist; Equinox als musikalische Heimat – ein Label, welches es sich zu Aufgabe gemacht hat, qualitativ hochwertige Musik zu veröffentlichen. Grund genug, um den in München aufgewachsenen und in den Neunzigern mit instrumentaler Hip Hop Musik sozialisiertem Downbeat Produzenten Deckard aka Attila Makai näher vorzustellen.

DEAD: Kannst du dich Bitte für unsere Leser erst einmal kurz vorstellen?

Deckard: Deckard meine Name. Instrumentaler Hip Hop und Elektronische Musik zu verbinden ist meine Aufgabe. Euch auf Hörreisen zu entführen die auch Soundtracks zu euren eigenen persönliche Filmen sind. Diese entstehen seit 1998 in meinen Räumen in München und haben ihr Zuhause auf Equinox Records und ein paar anderen kleinen Labels gefunden.

DEAD: Was kannst du zu deiner musikalischen Sozialisation sagen?

Deckard: Der Grund und die Motivation Musik zu machen liegt im Jahr 1996. Zu dieser Zeit kamen exzellente Platten von z.B. DJ Krush, DJ Vadim, DJ Shadow, DJ Cam und DJ Spooky heraus. Durch diese Künstler kam ich erst richtig mit Hip Hop in Berührung, auch wenn De La Soul’s “De La Soul Is Dead” eins meiner Favoriten war.

Aber auch Trip Hop und Drum & Bass gaben neue musikalische Impulse. So haben mich die gebrochenen Beats infiziert und ich begann meine ersten eigenen zu basteln, die aber eher schlecht als recht waren. Nur nicht aufgeben und daran glauben, dann kommen die ersten Erfolge von selbst.

…nach und nach entwickelte ich meinen eigenen Stil, welchen ich als Mischung aus Hip Hop, Elektronik und Soundtracks sehe.

Die ersten Jahre standen im Zeichen der bereits erwähnten Künstler und nach und nach entwickelte ich meinen eigenen Stil, welchen ich als Mischung aus Hip Hop, Elektronik und Soundtracks sehe.

Inspirierend war auch die Musik aus den 70ern, wie z.B. Tangerine Dream, Vangelis und ähnliches, nicht zu vergessen jegliches Experimentelles von 1920 bis heute – auch Stummfilme. Da habe mir auch mal überlegt “Nosferatu” neu zu vertonen. Wäre sicherlich eine große Herausforderung.

DEAD: Deckard ist der Protagonist des Film Noir/ Sci-Fi Klassikers “Blade Runner”, der nicht nur Maßstäbe im Set-Design sondern auch in der Art, visuell Genres zusammenzuführen, gesetzt hat. Nimmst du – auf Grund deiner Namensgebung – dies auch bei deiner Musik in Anspruch? Einfacher gefragt: spielt die Verfilmung eine Rolle dabei, wie du deine Musik produzierst oder ist die Namensgebung einfach eine Verbeugung vor dem Film?

Deckard: Ehrlich gesagt ist mein Künstlername eine Verbeugung vor dem Film, welcher einer der intensivsten und schönsten Filme ist, die ich kenne – auch nach all den Jahren. Die Verbindung von Visuellem und Akustischem ist einfach großartig!

DEAD: Die Komplexität unter der Oberfläche – ein Gefühl was meiner Meinung nach nicht nur auf den Film sondern auch auf deine Musik zutrifft. Versuchst du verschiedene Ebenen in deine Musik einzubauen, um den Hörer zu fordern?

Deckard: Im Laufe der Jahre sind meine Stücke gereift und gehen meist von der konventionellen Spaßmusik weg, hin zu einer musikalischen Erzählstruktur, die den Hörer mitnehmen soll, auf eine Reise im eigenen Kopf. Welche meiner Meinung nach phantastischer sein kann als jeder Film. Ob dies so bleiben wird? Vielleicht. Aber minimaler kann’s evtl. auch mal wieder werden. Mal sehen.

DEAD: Auf dieser Reise hört man keine Vokalisten – empfindest du sie als störend oder kannst du dir vorstellen in Zukunft auch einmal mit dem ein oder anderen Künstler zusammen zu arbeiten?

Das bisher keine Vokalisten ihren Weg in meine Musik gefunden haben, liegt keinesfalls daran, dass ich mir dies nicht wünschen würde.

Deckard: Das bisher keine Vokalisten ihren Weg in meine Musik gefunden haben, liegt keinesfalls daran, dass ich mir dies nicht wünschen würde. Es liegt eher daran, dass ich noch niemanden gefunden habe, von dem/der ich wirklich überzeugt bin. Ohne eine 100%ige Überzeugung meinerseits, tue ich mich sehr schwer. Sollte jemand das lesen und Lust auf eine Kolaboration haben, egal ob Rap oder Gesang, dann einfach bei mir melden. Übrigens, bei den neuen Sachen die fertig sind ist ein Track dabei mit dem Gesang einer Dame, die ich in Istanbul aufgenommen habe. Stay tuned!

DEAD: Wie ist deine Herangehensweise, wenn du einen Track produzierst?

Deckard: Eigentlich ziemlich einfach. Meist baue ich mir aus irgendwelchen Samples oder Drumcomputern einen Beat zusammen, welcher nach und nach mit Samples oder eingespielten Sachen ergänzt wird. Irgendwann entsteht dann eine gewisse Eigendynamik, die alles zusammenfügt. Vieles fliegt wieder raus und nach vielem Ringen und Leid mit mir selbst – ich bin leider in dieser Hinsicht Perfektionist – ist dann am Ende vielleicht sogar was brauchbares dabei herausgekommen. Falls nicht —> DELETE.

DEAD: Als Produzent – wie nimmst du die in den letzten Jahren stark gewachsene Beatmaker-Szene wahr? Stößt es bei dir auf Interesse oder zieht das komplett an dir vorbei?

Deckard: Früher habe ich lange Jahre im Tonträgerhandel gearbeitet, bevor ich mich von dort verabschiedete und entschloss mein Glück als Tontechniker und Musiker zu versuchen. In dieser Zeit hab ich Unmengen an Musik in mich aufgenommen, muss nun aber gestehen, dass ich nicht mehr sonderlich aktiv bin, in der Verfolgung aktueller Sachen. Die Liebe zur Musik besteht jedoch immer noch. Auch kaufe ich mir hin und wieder aktuelle Scheiben, aber meist aus anderen Genres.

DEAD: Sehr oft entsteht bei vielen DJs der Wunsch irgendwann seine eigenen Beats zu machen – es gibt allerdings auch den umgekehrten Fall, das Produzenten irgendwann als DJ aktiv werden, um eben ihre Musik den Leuten zu präsentieren. Bist du auch als DJ unterwegs? Wenn ja, trittst du dann eher als Produzent, der seine Songs Live performt, oder eben al DJ mit Plattenkiste in Erscheinung?

Weder möchte ich die ganze Zeit in meinen Laptop schauen, wo ich eh nur auf Start und Stop drücken würde, noch möchte ich für die Gäste tanzen.

Deckard: Ach das alte DJ Ding. Hin und wieder habe ich und lege ich immer noch auf. Würde mich jetzt aber nicht als der technischer DJ, der die Crowd rockt, bezeichnen. Eher wie der verstorbene John Peel von BBC One. Beim Auflegen kenne ich keine Genregrenzen und so wird es immer ein schönes interessantes Potpourri. Eher zum entspannten Bier trinken als abfeiern. Auch für Live Sachen bin ich nicht sonderlich zu gebrauchen. Ich wüsste nicht, wie ich es interessant gestalten soll, meine Musik Live zu performen. Weder möchte ich die ganze Zeit in meinen Laptop schauen, wo ich eh nur auf Start und Stop drücken würde, noch möchte ich für die Gäste tanzen.

DEAD: Du hast bis dato eine EP namens “dasAbstrakt”, die “Noir Desire EP” auf Equinox und in digitaler Form die “Future World EP” veröffentlicht plus weitere viele Tracks bei anderen kleinen Labels … du hast scheinbar mit dem Berliner Label Equinox Records eine gute Heimat für deine Musik gefunden. Wird diese Zusammenarbeit fortbestehen? Woran arbeitest du zur Zeit und auf was können sich die Hörer in Zukunft von dir freuen?

Deckard: Ein Label wie Equinox ist in der heutigen Zeit ein rares Gut. Wie es seine Künstler und deren Arbeit präsentiert und fördert ist in Zeiten des schnelllebigen Musikkonsums ein Wunder für sich. Die Liebe zur Musik ist der Motor. Nicht nur weil DJ Scientist mich eingeladen hat daran teilzunehmen, sondern auch weil ich stolz bin hier zu releasen, schließe ich gerade die Arbeiten an meinem Album “For A Better Tomorrow” ab, welches hier auf Equinox das Licht der Welt erblicken soll.

DEAD: Kannst du die Veröffentlichung des Albums schon ein wenig zeitlich eingrenzen und vielleicht etwas zum Sound oder womöglich Konzept sagen?

Deckard: Die Veröffentlichung des Album ist für Dezember 2011 angesetzt und im November soll noch eine Vorabsingle erscheinen. Der Sound wird wie gewohnt düster-melancholisch sein, jedoch finden sich mehr Einflüsse aus meinen elektronischen Wurzeln wieder. Zum Konzept kann ich nicht allzuviel sagen, aber wenn man es hört erkennt man es.

DEAD: Mit welchen Erwartungen geht man heutzutage an die Produktion eines Albums heran? Hat man überhaupt welche?

Aber zum Glück gibt es immer noch Verrückte da draußen, die dem Kulturgut LP treu sind. Jenen möchte ich ein großes Danke ausprechen.

Deckard: Oh ja! – natürlich hat man Erwartungen! Wie z.B. dass es hoffentlich jemals fertig wird und das es anders klingt als die Sachen davor. Schwieriger ist es jedoch geworden, Interesse für ein Longplayer bei den Hörern herzustellen. In Zeiten von mp3s, wo man jedes Stück einzeln über gewisse Musikportale erwerben kann, ist das Bewusstsein stark verloren gegangen, Alben am Stück durchzuhören. Aber zum Glück gibt es immer noch Verrückte da draussen, die dem Kulturgut LP treu sind. Jenen möchte ich ein großes Danke aussprechen. DANKE!!

DEAD: Auch wir danken dir für stets großartige Musik und das Interview.

(Album Preview #1)

Mit Stolz dürfen wir euch im Rahmen dieses Interviews als Erste einen Track vom im Dezember über Equinox Records erscheinenden Album von Deckard präsentieren: The Dawn

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Foto(s): Artikelbild by Simon Koy
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