moshe
deadwords » interviews 01.03.2009
Milled Pavement – One big collaboration

Als der aus Portland stammende Produzent Moshe 2003 das Label Milled Pavement als Möglickeit, die eigene Musik zu veröffentlichen, gründete, war die weitere Entwicklung noch nicht abzusehen. Vor allem der erste Label Sampler „Goose Bumps“ stellte 2007 ein neues Gesicht im Independent Rap Bereich vor. Milled Pavement scheint heute wie ein Künstlerkollektiv von talentierten Produzenten und Rappern weltweit. Gerade die neuesten Errungenschaften James Reindeer und James P Honey aus England sowie Joel Simues aus Schweden zeigen, wie das Label wächst und immer facettenreicher wird. Einen typischen Sound zu beschreiben fällt daher schwer, aber fragen wir am besten den Labelchef selbst.

DEAD: Wie würdest du den typischen “Sound” deines Labels beschreiben?

Es gibt eine Menge an verschiedenen Sounds, sowohl auf Milled Pavement als auch auf brick.city.media, dem neuen Schwester-Label zu MP. Milled Pavement ist düster, ist echter Underground HipHop. Stell dir einfach die dunkle Seite von HipHop vor, keine Extras.

Moshe: Dunkel! Ha ha… Nein, der ist schon vielschichtig. Es gibt eine Menge an verschiedenen Sounds, sowohl auf Milled Pavement als auch auf brick.city.media, dem neuen Schwester-Label zu MP. Milled Pavement ist düster, ist echter Underground HipHop. Stell dir einfach die dunkle Seite von HipHop vor, keine Extras. BCM ist mehr so die elektronische Seite, Techno, House, usw. Es geht da mehr um eine Aesthetik als um einen bestimmten Style. Wir sind progressive Künstler, egal ob es um die Musik oder die Wege, diese in die Welt zu schicken, geht.

DEAD: Habt ihr dann sowas wie eine Label-Philosophie?

Moshe: Eindeutig. Es ist eine Philosophie des Arbeitens, so wie wir uns das vorstellen. Ich persönlich glaube, dass ich wirklich arbeiten muss um “es-am-Laufen-zu-halten”. Nichts wird einfach so passieren, vorher braucht es eine Menge Schweiss und Geduld. Die Künstler auf unserem Label teilen diese Philosophie. Ernsthaft, das ist der Grund, warum wir zusammen arbeiten. Alle hier beim Label wissen, dass es eine große Kollaboration ist. Und vor alledem bringen wir keine Musik raus, die wir nicht mögen. So einfach und nicht anders.

DEAD: Du lebst in den Staaten, hast aber eine Menge Künstler aus Europa auf deinem Label. Wie kommst du mit ihnen in Kontakt und ist es überhaupt möglich, ein persönliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen?

Moshe: Zuallererst sind wir Fans ihrer Musik. So haben alle diese Beziehungen angefangen. Wir haben ihre Musik im Web gefunden oder wurden von Freunden des Labels auf sie aufmerksam gemacht. Wir hatten schon immer Freunde Übersee und im Ausland, aber jetzt fühlt sich das an wie eine ganze Familie. Im Frühling 2009 werden einige von ihnen eine Tour an der Ostküste machen, und wir sind schon so aufgeregt, sie endlich persönlich zu treffen!

DEAD: Einige der Milled Pavement Releases erscheinen ja nur digital. Glaubst du, dass darin die Zukunft kleiner Indie-Labels liegen könnte?

Moshe: Um genau zu sein haben wir zwei digital-only Compilations veröffentlicht: Goose Bumps 1.0 und 2.0. Wir haben dann aber auch noch eine digital-only Sparte, die sich EmBen nennt. Net-Labels gibt es schon eine ganze weile, und das wird sicher auch so weiter gehen, aber Milled Pavement soll nie ein rein digitales Label werden.

DEAD: Und glaubst du, dass sich das Bewusstsein für den Wert von Musik wieder stärken wird?

Moshe: Wir hoffen ja alle, als Künstler und Geschäftsleute, dass es immer eine Wertschätzung von Musik und überhaupt Kunst wird. Ich selbst glaube aber, dass die auch nie verschwunden ist.

Wir hoffen ja alle, als Künstler und Geschäftsleute, dass es immer eine Wertschätzung von Musik und überhaupt Kunst wird. Ich selbst glaube aber, dass die auch nie verschwunden ist.

DEAD: Aber ist ja faktisch so, dass immer weniger Menschen Geld für physische Produkte ausgeben. Es scheint, als ob ihr schierer Konsum die Musik selbst ersetzt; immer mehr für immer weniger zu bekommen. Hast du das Gefühl, dass ihr auch dagegen kämpft, und was stellt ihr dem entgegen?

Moshe: Als Label müssen wir definitiv kämpfen, auch wenn wir über Outlets wie iTunes oder Amazon auch die erreichen, die nur downloaden. Was das illegale Downloaden angeht, also Blogs, Peer-to-Peer Software, usw., gibt es bisher noch keinen Weg, um einzugreifen. Wir hoffen einfach, dass Leute, die auf unsere Musik stoßen und sie mögen, ein MP3 oder eine CD kaufen werden.

DEAD: Darf man eine Vinyl Veröffentlichung auf Milled Pavement erwarten?

Moshe: Viele unserer Künstler sind Vinyl-Liebhaber und wir hoffen auch, dass wir in der Zukunft Vinyl herausbringen können werden. Derzeit sind wir aber recht weit entfernt davon. Die Planung, die Distribution, das ist alles 180 Grad entfernt von dem, in das wir unsere Energien investiert haben, wo wir Netzwerke aufbauen.

DEAD: Wohin wird die musikalische Entwicklung von MP gehen? Was sind eure Ziele?

Moshe: Wir wollen kein spezielles musikalisches Ziel erreichen, sondern viel eher die Musik jedes einzelnen Künstlers zur Geltung bringen. Es geht darum, mehr Öffentlichkeit zu bekommen und ein Bewusstsein für die Musik und den Geist von MP weltweit zu schaffen.

DEAD: Und welche werden die nächsten Highligts auf Milled Pavement sein?

Moshe: Wir sind ziemlich begeistert, mit reindeer an dessen Album mit dem Produzenten lmnt819, “Views from the Psychelik Death Cab”, zu arbeiten. Dann ist da noch das Debut von Andr Romak “Beauty Is But Skin Deep”. Das werden so die ersten Releases 2009 sein. Das erste Release auf brick.city.media wird der Erstling der Techno Produzenten The Secret Weekend, “energy broadcast system”, sein. Es wird auch ein neues Kapitel der “Goose Bumps” geben und Releases von A-Frame & Mike Clouds, Syn The Shamen und mir, Pentateuch, zoen, Roma und einiges mehr…

http://www.milledpavement.com/
Published in DEAD Magazine Issue VI
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Foto(s): Milled Pavement/Moshe
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