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deadwords » features 22.08.2008
Dday One – Looking For The Perfect Beat

Nach diversen Veröffentlichungen (u.a. auf Needlework und Subversiv-Rec) beglückt uns der in Los Angeles geborene und aufgewachsene Dday One dieses Jahr mit seinem sehr gelungenen und durchdachten Album “Heavy Migration”. Dday One begann sich schon sehr früh mit Samples, Loops und staubigen Platten zu beschäftigen, was sich in seiner Musik widerspiegelt und was viele Hörer an ihm zu schätzen wissen. Sein erstes Album “Mood Algorithms” gilt bei Liebhabern instrumentaler HipHop Musik bereits als Meilenstein und auch mit dem im Jahre 2006 auf Needlework erschienenen Album “Loop Extensions” setzte er einen weiteren Höhepunkt seiner Diskografie. Passend zum 10-jährigen Jubiläum seines musikalischen Schaffens sprechen wir mit ihm über seine Ansichten als Musiker, Einflüsse und das aktuelle Album “Heavy Migration”.

DEAD: In den Liner Notes deines neuen Albums erklärst du deine Herangehensweise, das was du “the movement of sound” nennst. Was heißt das für dich als bekannten Crate Digger? Was bedeutet Sampling, die Rekontextualisierung verschiedener Sounds in einer global vernetzten Welt?

Ich glaube, dass die Kunst des Samplens eine sehr wichtige Facette in unserer heutigen Welt ist.

Dday One: Ich glaube, dass die Kunst des Samplens eine sehr wichtige Facette in unserer heutigen Welt ist. Zuerst mal hat das “movement of sound” uns die Möglichkeit gegeben, uns selbst auszudrücken, die Kultur zu erweitern und Grenzen einzureißen, während wir gleichzeitig unseren Vorgängern Respekt zeigen. Zudem erhöht das Hören von wirklich vielen Platten auch die Wertschätzung der Musik als solcher, was gerade in Ländern, in denen öffentliche Programme dafür verschwunden sind, wichtig ist.

DEAD: “Heavy Migration” ist ja ein Konzeptalbum, und mit all den Ideen, die du in den Liner Notes erklärst, würde da sicher auch ein großartiger Film draus werden, in dem all diese Vorstellungen zusammenkommen. Hast du deine Ideen eigentlich schon, bevor du anfängst Musik zu machen, oder passiert das alles plötzlich, zufällig?

Dday One: Ich kombiniere verschiedene Herangehensweisen. Manchmal motiviert mich eine bestimmte Idee, ein Bild oder eine Situation, in der ich mich befinde. “Dying Heart” beispielsweise entstand als ich einer Operation am offenen Herzen entgegensah. Das war eine sehr emotionale Zeit. Ich nahm dann ein Echo-Kardiogramm, das mir der Arzt gegeben hatte, und baute einen Beat um es herum. Dazu suchte ich nach Samples und Drums, die für mich den Fluss des Blutes im Herzen repräsentieren. Man kann also schon sagen, dass der Prozess therapeutisch sein kann; manchmal ist es aber auch einfach impulsiv, so wie bei “Omega Point”.

DEAD: Du bist auch ein anerkannter Turntablist, und eine Menge Produzenten, die ebenfalls so angefangen haben, sagen, dass das Manipulieren von Sounds, das Scratchen ihnen geholfen hat, zu verstehen wie man die Sounds besser kombiniert. War das bei dir auch so?

Dday One: DJing hat mir grundlegende Musik-Theorie beigebracht, also wie man Beats zählt, wie die Verhältnisse, die Arrangements von Songs funktionieren. Auch wie man Sounds zusammenfügt hat mir das Mixen beigebracht, verschiedene Rhythmen, was die Geschwindigkeit eines Songs bedeutet… Wenn ich zum Beispiel Beats programmiere, benutze ich Techniken wie das Jugglen, um den Beats etwas mehr Leben zu geben. Ja, ich würde auf jeden Fall sagen, dass mir das DJing geholfen hat.

DEAD: Angefangen hast du ja als Graffiti Writer. Hat diese spezielle kompromisslose Herangehensweise deine Produktionen als Musiker beeinflusst?

Dday One: Ich mache da keinen Unterschied. Graffiti und Beats bauen, das ist ein und die selbe Sache. Bei beidem versuchst du, zu erschaffen, was du in deinem Kopf hast, und das ist die Essenz von HipHop.

DEAD: Deine Hörer schätzen dein Know How wenn es darum geht, obskure Sounds und krachende Drums zu finden sehr. Wirst du manchmal müde zu diggen? Wo findet man noch rare Platten?

Dday One: Ich glaube nicht, dass ich jemals müde werde, wenn es um das Sammeln von Platten geht. Abgesehen davon Ausgangsmaterial zu finden, Cover, Liner Notes, usw., hat es mir auch als Inspiration für andere Aspekte meines Lebens geholfen. Und dazu bin ich noch süchtig danach. Nur wenn ich darüber nachdenke, umzuziehen, frage ich mich, warum ich Platten sammle. Und was die raren Platten angeht: Es wird schwerer, sie zu finden, denn viele Läden machen dicht. Ich würde dazu raten, offener an die Sache heranzugehen. Ich habe schon an den unmöglichsten Plätzen Platten gefunden.

DEAD: Eines der Labels, auf denen du veröffentlichst (Content Label), schreibt sich “Qualität statt Quantität” auf die Fahnen und veröffentlicht hauptsächlich limitierte Vinyl-Auflagen. Das könnte ja eine ernstzunehmende Alternative werden, wenn man den derzeitigen exzessiven Musikkonsum betrachtet. Was denkst darüber im Hinblick auf die Musikkultur?

Dday One: Ich denke der derzeitige Anstieg des Konsums ist den neuen digitalen Formaten geschuldet. Einerseits sehe ich das positiv, da die Konsumenten durch die bessere Distribution nun mehr Zugang zu Musik haben. Andererseits wird die Musik nun dadurch auch austauschbarer, da die Formate keinen materiellen Wert haben. Bei Content achten wir also auf Details, wenn wir unseren Output limitieren. Eines der Details, die grade bei elektronischer Musik fehlen, ist das Verständnis dafür, wie diese Musik gemacht wird. Und deswegen versuchen wir zum Beispiel, Elemente aus dem Studio oder Geräte in das Desgin einzufügen.

DEAD: Was können wir von dir in der Zukunft erwarten?

Dday One: Ich arbeite an Material für das Berliner Label Project Mooncircle und ein paar Remixen. Daneben kümmere ich mich um den Veröffentlichungsplan für Content. Der Londoner Produzent und DMC-Champion 2Tall hat dort sein Album “The Softer Diagram” veröffentlicht, und eine 7″ von Olde Soul und Double K von People Under The Stairs aus L.A. kam auch grade raus. Auf myspace.com/contentlabel kann man sich da am besten auf dem Laufenden halten.

Nochmals vielen Dank. Peace.

http://www.ddayone.com/
Published in DEAD Magazine Issue V
Text:
Foto(s): Dday One
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