131010 Label: Fenceline-Production
Medium: CD
Released: 2007
deadpress » reviews26.01.2008
Materpfahl: Vollbart

Materpfahl aus Bad Kreuznach/Frankfurt präsentieren ihr erstes offizielles Release namens „Vollbart“. Ihr Stil zeichnet sich dabei vor allem durch den Wechsel zwischen Gesang und schnellen Rappassagen aus, was natürlich eine gewisse Nähe zu Künstlern wie Ceschi oder manchem Anticon-Act erahnen lässt. Auch die Musik trägt ihren Teil dazu bei: die Instrumentals von Eric Crusher sind ein geeignetes Beispiel dafür, wie Experimental Hip-Hop klingen kann. Sind die Referenzen auch klar, ihren eigenen Stil haben sie trotzdem. Prägnant sind Vortragsweise und Inhalte, die von den melancholisch bis depressiv gehaltenen Beats unterstrichen werden, die mal synthie-lastig, mal von knarzenden Electronica-Sounds dominiert sind. Inhaltlich ziehen sich Beobachtungen, Gefühlsbeschreibungen und das psychische Innenleben der Protagonisten als roter Faden durch das Album. Dabei driften die Texte oft ins Surreale und Poetische, was als Stilmittel sehr gut funktioniert. Auf dem ausschließlich gesungenem Electronica-Stück „Tropfstein“ erreichen sie damit eine ungeahnte Schönheit. Dadurch dass sie konsequent einen Stil verfolgen, kommt zwar schnell die Gefahr der Eintönigkeit auf, doch Lieder wie „Links, Rechts, Geradeaus“, „Pfadfinder“ (mit Demune) oder „Lost Contact“ (mit Xczircles), reißen immer wieder aus der Lethargie. Mit eigener Ästhetik reihen sich Materpfahl in eine Riege deutschsprachiger Künstler ein, die nach amerikanischem Vorbild Hip-Hop von Dogmen und Genre-Grenzen emanzipieren und dabei doch einen eigenen Stil entwickeln, der abseits jener Blaupause ist und das kreative Selbstideal von Hip-Hop aufs Neue einlöst.

http://www.myspace.com/materpfahl
http://www.fenceline-production.de/
Published in DEAD Magazine Issue IV
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