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deadwords » interviews 26.01.2008
K-The-I??? – Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen!

Nach seinem Album „Broken Love Letter“, auf dem K-the-I??? sich mit sämtlichen Liebschaften der Vergangenheit auseinandersetzte, erschien nun über Shadowanimals sein gemeinsames Album mit Shortrock. Dass es sich dabei um ein ebenso wichtiges Konzeptalbum handelt, das nicht nur als Platzhalter zwischen dem letzten und dem nächsten Album auf Mush fungiert, welches übrigens komplett von Thavius Beck produziert sein wird und mit Gästen wie High Priest, Subtitle und Mestizo aufwartet, wird zum einen beim Hören selbst, aber auch im Gespräch mit dem neuen Bewohner LA’s klar. Seine Ansichten über die geringe Wertschätzung des DJs, die Zukunft der Musikindustrie und die Gründe für seine abgesagte Deutschlandtour sind in den folgenden Textblöcken nachzulesen.

DEAD: Auf deinem aktuellen Album „3 to 3 million robots to command“ bist du nicht nur für die Texte verantwortlich, sondern hast auch alle Beats produziert. DJ Shortrock hat aber „nur“ die Cuts gemacht. In den meisten Fällen würde der DJ nur in den Produktionsnotizen im Booklet Erwähnung finden. Nun sind aber eure beiden Namen groß auf dem Cover zu lesen. Wird die Arbeit des DJs heute nicht mehr genügend wertgeschätzt?

K-The-I???: Es scheint tatsächlich so zu sein, dass sich niemand mehr für den DJ/Turntablist interessiert, und das ist wirklich traurig. Sie sind irgendwie aus der Szene verschwunden, nur nicht aus der Electro- und Dance-Szene. Dort benutzen sie immer noch Turntables, allerdings keine Platten, sondern Serato. Ich glaube zwar, dass diese Geräte fantastische Instrumente sind, aber es klingt einfach nicht wie Vinyl und wird auch nie so klingen, ich persönlich brauche aber diesen Klang. Ich glaube, den Leuten sind Club-DJs lieber, als die DJs, die die DJ/Turntablism-Kultur erhalten und weiterbringen wollen.
„3 to 3 million robots to command“ ist ein K-the-I??? UND Shortrock-Album, weil ich mit ihm zusammen an diesem Album gearbeitet habe. Ich habe alle Beats gemacht, aber er war fast immer dabei. Von mir stammt zwar das ganze Konzept, aber wir zwei waren uns von Anfang an über die Ansichten einig. Technologie gewinnt immer mehr an Macht, und die Männer und Frauen der Zukunft werden ihre Menschlichkeit eventuell im Staub zurücklassen. Aber diese Unterhaltung sollten wir wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen…

DEAD: Deine Deutschland- bzw. Europa-Tour fand nun, obwohl sie lange angekündigt war, doch nicht statt. Woran ist es letztendlich gescheitert? Man könnte meinen, dass „Mush“ immer noch ein werbewirksamer Name auf einem Flyer ist und Du hier auch eine Menge Fans hast.

K-the-I???: Ja, ich bin immer noch angepisst, dass ich es nicht geschafft habe, zu kommen. Meine Arbeit hatte etwas, was man „Blackout Period“ nennt, in der es den Arbeitern nicht gestattet ist, zu verreisen. Außerdem zog ich grad nach LA und musste die Miete zahlen… Es lief alles etwas schief, aber ich werde alles dafür tun, dass so etwas nicht noch einmal passieren wird. Ich bin froh, dass mir Ira den Rücken frei gehalten hat. Ich liebe dieses Mädchen. Sie ist sehr talentiert und ich kann es kaum erwarten, mein Album mit ihr zu beenden. Ich plane nun, diesen Sommer zu kommen und mit Ira zu touren. Diesmal wird es funktionieren, zumal dann auch unser Album fertig ist.

DEAD: Es scheint, als würdest Du viel Zeit dem Internet opfern, vor allem deiner Myspace-Seite. Was denkst Du über die momentane Panik wegen illegaler Downloads? Ist der finanzielle Schaden durch Soulseek stärker als die Promo durch die größere Aufmerksamkeit, die man bekommt, wenn mehr Leute deine Musik hören?

K-the-I???: Ja, ich bin immer im Internet. Ich versuche auf dem Laufenden zu bleiben, was gerade in der Musikwelt passiert. Aber auf jeden Fall schaden illegale Downloads den Künstlern finanziell. Natürlich gab es mal eine Zeit, in der sich die Leute mit Programmen wie Soulseek einen Eindruck von einem Album gemacht haben, um dann zu entscheiden, ob sie es kaufen oder nicht. Aber das ist schon lange vorbei. Jetzt laden sich die Leute alles runter, auch wenn sie nicht der Meinung sind, es handle sich dabei um ein Meisterwerk. Sie haben bemerkt, dass man es nicht mehr kaufen muss, wenn es das Album auch umsonst gibt! In manchen Fällen hilft es zwar unbekannten Künstlern entdeckt zu werden, aber für die Leute, die sich schon längere Zeit in der Musikindustrie bewegen, scheint es sich zu einer Kerbe in der Brieftasche zu entwickeln.

„Was geschaffen werden muss, ist eine komplett neue Bewegung und mit „Bewegung“ meine ich, dass jeder eine neue Auswahl an Künstlern in seine Top-Liste packen muss.“

DEAD: Was denkst Du über die Zukunft der Musikindustrie? Vor allem in Hinblick auf die Veröffentlichung von progressiver Musik. Es scheint, als wären die meisten Musiker und Labels sehr pessimistisch. Was muss sich ändern?

K-the-I???: Was geschaffen werden muss, ist eine komplett neue Bewegung und mit „Bewegung“ meine ich, dass jeder eine neue Auswahl an Künstlern in seine Top-Liste packen muss. Die Szene muss offener gegenüber neuen und talentierten Künstlern werden, von denen noch nie jemand gehört hat. Ich liebe und respektiere die Labels und Künstler, die nun schon seit einiger Zeit die Grenzen verschoben haben, aber die Industrie braucht etwas neues. Neue Gesichter in den Magazinen, neue Headliner auf Tour, neu, neu, neu! Alles, was wir tun müssen, ist ‚neu’ zu denken. Es gibt so viele talentierte Künstler, von denen niemand spricht. Sie wurden alle meine Freunde, wofür ich sehr dankbar bin, aber es ist notwendig, dass sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen und von den Leuten ernstgenommen werden. Was ich sagen will, ist ‚Raus mit dem Alten und rein mit dem Neuen!’ Das ist der einzige Weg, dass sich etwas zum Guten ändert.

http://www.mushrecords.com/artist/KTheI.php
Published in DEAD Magazine Issue IV
Text:
Foto(s): Mush/Robert Curcio
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