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deadwords » interviews 26.01.2008
Ceschi – Feast of Failure

Ceschi Ramos’ Musik kennt man, oder man kennt sie nicht. So einfach ist das. Wer sie kennt, der mag sie für gewöhnlich. Sehr sogar. Nur viele sind es leider noch nicht, die bisher mit diesem Namen etwas anfangen können. Auf der Tour des Equinox-Labels im Oktober 2007 konnte man ihn nun zum ersten Mal auf Europas Bühnen sehen – und was für einen bleibenden Eindruck er dort hinterlassen hat, blasen einem die neugewonnenen Fans nun tagtäglich ins Gesicht. In Offenbach hatte er Zeit für ein entspanntes Gespräch.

DEAD: Auf die Frage, was du in den nächsten 3- 5 Jahren erreichen möchtest, hast du in einem älteren Interview geantwortet, du würdest gerne ein „All-Time-Classic Album“ machen. Denkst du, du hast das mit „They Hate Francisco False“ erreicht?

Ceschi: Ich weiß es nicht. Ich denke, es ist mein bisher bestes Album. Aber ich glaube, ich bezog mich damals auf das nächste Anonymous INC Album, also die Band die ich zusammen mit meinem Bruder David Ramos habe. Wir arbeiten schon seit Jahren hart daran und probieren es zu einem wirklich besonderem Album zu machen. „They Hate Fransico False“ ist mein bisher bestes Album, aber ich weiß nicht, ob es ein Klassiker ist – für manche vielleicht. Ich denke, es ist gut und es ist auch noch neu genug, dass ich damit zufrieden bin. Wenn deine Musik älter wird, langweilt sie dich und du regst dich über die Fehler auf, die du während der Aufnahmen gemacht hast.

Überhaupt wird es nur vier Alben geben; nach meinem vierten Album werde ich keine Alben als „Ceschi“ mehr machen. Die vier heißen: Fake Flowers, They Hate Francisco False, Feast of Failure und Four Fingers. Ich wollte nur vier Platten unter meinem Namen herausbringen, weil ich kurzlebige, vergängliche Sachen mag und ich denke, dass es dadurch eine Art Glaubwürdigkeit behält, jedenfalls nach meinem Gefühl.

DEAD: Die beiden bereits erschienen Alben stehen unter einem gewissen thematischen Rahmen. Während „Fake Flowers“ noch vermehrt das „Erwachsenwerden“ behandelt, geht es auf „Fransico False“ primär um die Verarbeitung gescheiterter Beziehungen…

Ceschi: Ja, es sind beides sehr lose Konzeptalben. Wenn du Musik zu einer bestimmen Zeit deines Lebens machst, spiegelt diese sich auch in deinen Songs wieder. Beide Alben entstanden auch über einen sehr langen Zeitraum; „Fake Flowers“ habe ich zum Beispiel im Jahr 2000 begonnen und es ist 2003 fertig geworden. Ich hatte die Idee für eine Art Konzept zum Thema Heranwachsen, Kindheit. „Francisco False“ entstand über verschiedene Zeitperioden hinweg, teilweise gleichzeitig während ich für „Fake Flowers“ aufgenommen habe.

DEAD: Werden die nächsten Ceschi Alben dann auch unter einem bestimmten Motiv stehen?

Ceschi: Ja. Das nächste Album wird das Versagen thematisieren. Sehr melodramatisch… (lacht) Naja, weißt du, ich komme langsam in so ein Alter, wo man gesellschaftlich zu einigen Dingen gedrängt wird; man soll ja ein bestimmtes Ziel erreichen. Ich bin jetzt 26 geworden, und ich weiß nicht, ich habe das Gefühl ich sollte irgendwas erreichen, berühmt werden oder eine geregelte Arbeit oder sonst was. Ich thematisiere also das Versagen und die Angst davor.

DEAD: Spielst du immer noch in dieser Hardcore Band?

Ceschi: Ja ich habe noch ein Album mit der Band gemacht – sie heißt Dead by Wednesday. Das zweite ist viel besser als das erste, das war noch mehr so eine Art Demo-Projekt.

DEAD: Ist das ein nettes Nebenprojekt oder gleichwertig zu anderen?

Ceschi: Das war es für mich anfangs, ja. Ich bin in der Hardcore-Szene aufgewachsen. Ich bin zu Shows gegangen bis ich 14-15 war; ich habe immer die Energie von Hardcore Shows geliebt. Deshalb wollte ich auch unbedingt mal selbst in einer Hardcore-Band spielen. Mein Cousin ist Metal-Schlagzeuger. Er hat die Band zusammengestellt.

DEAD: Wie denkst du über den politischen, subkulturellen Teil von Musik? Die erste Hardcore-Welle war ja hochpolitisch, und auch HipHop hat von Zeit zu Zeit politische Aspekte, heute scheinen jedoch die großen Bewegungen und Subkulturen vorbei zu sein.

Ceschi: Ja, momentan herrscht tatsächlich eine Apathie.

DEAD: Denkst du, dass da irgendwas Neues, Besseres kommen könnte? Vielleicht dieses postmoderne Ding, dass jeder alles Hören kann, ohne das Szenen sich voneinander abschotten?

Ich glaubte, heutzutage wären die Leute bereit für ein Album, das Abwechslung hat, aber offensichtlich sind sie es doch nicht. Wir hatten Reviews, die meinten, das sei zu wild und ich höre es und denke: „Das ist progressive Popmusik, das ist überhaupt nicht wild

Ceschi: Ja, und ich denke, wir sind längst an diesem Punkt! Ich kenne niemanden, der nur Hip-Hop hört, keiner meiner Freunde, keiner ist komplett verschlossen gegenüber anderen Genres.

Wir haben ja dieses TOCA Album gemacht, und wir hatten dabei die Idee, ein Pop-Album zu machen. Für uns ist es ein Pop Album, es hat Chorusse, Liebeslieder und was man halt so braucht. Wir brachten es zu verschiedenen Labels, und naja… Die Idee war eigentlich, Pop neu zu definieren, eine postmoderne Pop-Platte zu machen. Ich glaubte, heutzutage wären die Leute bereit für ein Album, das Abwechslung hat, aber offensichtlich sind sie es doch nicht. Wir hatten Reviews, die meinten, das sei zu wild und ich höre es und denke: „Das ist progressive Popmusik, das ist überhaupt nicht wild“.

DEAD: Du hast ja eine sehr unkonventionelle, offene Herangehensweise an Musik- mal ganz abgesehen davon, dass du sehr viele Instrumente spielen kannst. Denkst du, es ist eine sich gegenseitig bedingende Entwicklung, dass du einerseits verschiedene Instrumente spielst und vielleicht dadurch so unterschiedliche musikalische Projekte machst?

Ceschi: Ja sicher. Es ist recht natürlich für mich, verschiedene Stile zu entwickeln, da ich eben auch vieles mag. Ich wollte mich nie auf ein Genre begrenzen. Wenn du anfängst, ein Instrument zu spielen, Gitarre zum Beispiel, fängst du an, Stücke von Nirvana oder Metallica zu lernen; das waren die ersten Lieder, die ich gelernt habe. Dann später lernt man Jazz zu spielen und möchte generell schwierigere Sachen lernen. Ich denke auch, je reifer du als Musik-Hörer wirst, desto vielfältiger wird auch deine eigene Musik werden.

DEAD: Findest du nicht, dass die meisten deiner Songs ziemlich eingängig sind, und fragst du dich nicht manchmal, warum du nicht mehr Hörer hast?

Ceschi: Manchmal frage ich mich das wirklich, und es ist frustrierend für mich als Musiker. Ich mache ja Popmusik – in einem vagen Sinn. Nicht Pop wie Britney Spears, eher Pop wie die Beatles vielleicht. Es ist wirklich eingängig und mir fällt auf, dass einer kleinen Gruppe von Leuten dies ebenfalls auffällt und sie mich fragen: „Hey, warum bist du nicht berühmt?“. Ich glaube, am Ende ist es wirklich weil ich nicht genug finanziellen Rückhalt habe, um meine Sachen so zu promoten, wie ich es müsste. Ich bin sehr froh, auf der Equinox Tour dabei zu sein und Leute wie DJ Scientist zu kennen, die sehr unterstützend sind und wollen, dass die Leute hören was wir machen. Ich spiele zwar viele Shows, aber ich habe kein Geld für einen guten Promoter. Ich hatte auch schon ein paar Songs im Radio, aber wenn man nicht genug Geld hat für einen guten Vertrieb hat und Ähnliches, bleibt man auf einem gewissen Status hängen.

DEAD: Wann und was wird musikalisch als nächstes von dir kommen?

Ceschi: Wie gesagt ist das Deadpan Darling Album fertig, aber ich weiß nicht wann es herauskommen wird. Ich würde sagen, in so einem Jahr, Ende 2008. Dann noch das nächste Ceschi Album „Feast of Failure“. Außerdem habe ich angefangen ein Album mit Omid (OD) aufzunehmen. Es ist etwas mehr „Dance“-orientiert, aber immer noch sehr vielfältig. Wir haben dieses Projekt erst kürzlich angefangen, danach kann man auf jeden Fall bald Ausschau halten. Ich weiß nicht, wie lange das alles dauern wird, aber es wird letzten Endes irgendwann veröffentlicht werden. Punkt.

http://www.fakefourinc.com/artist/ceschi
http://www.e-q-x.net/
Published in DEAD Magazine Issue IV
Text:
Credits: Interview by Patrick Schwendtke
Foto(s): Max Winter
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