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deadwords » interviews 22.08.2007
Ponowai Flora – Tour 2007

Während ihrer ersten Europa-Tour ergab sich die Möglichkeit, die drei Künstler des Ponowai Flora Labels, Demune, Ancient Mith und Otem Rellik, kennenzulernen – hier ein kurzer Einblick in ein langes Gespräch:

„Die Wahrheit ist doch, dass sie das mit jeder Musik-Kultur machen. Egal ob es Metal, Country, Punk oder Hip-Hop ist. Wenn sich etwas verkaufen lässt, dann nur weil ursprünglich etwas dahinter steckte. Mir ist das egal. Ich assoziiere mich nicht mit solchen Leuten.“ erklärt mir Demune auf die Frage, ob er aufgrund dessen medialen Bildes noch etwas mit Hip-Hop anfangen könne. „Wir wollen einfach gute Musik machen, da ist es egal für wen. Ich möchte nicht nur eine bestimmte Gruppierung ansprechen; die Hauptsache ist, dass mir zugehört wird. Wenn ich einen Abend mit einer Punk-Band spielen kann, ist das toll“, ergänzt Ancient Mith. Sie wissen, dass sie „zwar Hip-Hop machen, aber nicht wirklich ‚Hip-Hop?‚ sind“.

“Die Wahrheit ist doch, dass sie das mit jeder Musik-Kultur machen. Egal ob es Metal, Country, Punk oder Hip-Hop ist. Wenn sich etwas verkaufen lässt, dann nur weil ursprünglich etwas dahinter steckte. Mir ist das egal. Ich assoziiere mich nicht mit solchen Leuten.“

Doch zurück zum Anfang: Wer sind diese drei Musiker überhaupt? Ancient Mith, Demune und Otem Rellik bilden das kleine Label namens Ponowai Flora. Die drei leben über die USA verstreut; durch Ancient kam der erste Kontakt zwischen ihnen zustande, gegründet wurde das Label von ihm und Demune. Ponowai Flora soll ihnen mehr Kontrolle über ihre Musik geben, also mehr Möglichkeiten ihre eigenen Sachen voranzutreiben, sie publik zu machen und eigene Vertriebsmöglichkeiten zu haben. Die bisherigen Veröffentlichungen sind u.a. Demunes „Crossbreeding and Grafting“, sowie das dazugehörige Remix-Album und Ancient Miths Projekt zusammen mit Xndl als RushYa!. Anhand dieser Tonträger kann man schon die unterschiedlichen Charaktere und Musikstile erkennen; einer der Gründe für den Charme des kleinen Unternehmens. Es lohnt sich also, einen Blick auf jeden einzelnen zu werfen:

Ancient Mith wird gerne als „Left-Wing“ und Polit-Rapper bezeichnet, auch wenn er selbst es überhaupt nicht leiden kann, als solcher klassifiziert zu werden. Daraufhin angesprochen macht er  jedoch eine Feststellung, die eine Einsicht verdeutlicht, die so manchem Politik-Studenten fehlt: „Wenn ich ein politischer Rapper sein soll, dann nur weil das Leben politisch ist.“ Wenn er mit Amerika-Flagge und Osama Bin Laden-Maske auftritt, eine Verschwörungstheorie über George W. Bush und Chuck Norris (die ein und die selbe Person sein sollen) aufstellt, damit gleichzeitig sämtliche paranoiden bis antisemitischen konspirativen Fantasien karikiert und sich über die Selbstdarstellung des US-Präsidenten lustig macht, dann kann man zwar verstehen, warum er als Polit-Rapper bezeichnet wird. Doch ist sein Ansatz nicht primär politisch, auch wenn das Spiel mit popkulturellen Zitaten ja durchaus politischen Charakter haben kann.

„Wir wollen einfach gute Musik machen, da ist es egal für wen. Ich möchte nicht nur eine bestimmte Gruppierung ansprechen; die Hauptsache ist, dass mir zugehört wird. Wenn ich einen Abend mit einer Punk-Band spielen kann, ist das toll.“

Demune hingegen fällt vor allem durch seinen sehr außergewöhnlichen Rapstil auf: Das Wechselspiel zwischen verschiedenen Rhythmen, das Ziehen der Worte bis zu deren Unkenntlichkeit, nasal-klingender Gesang, „rapid-fire“-Raps und vielschichtige Stimmbilder. Während die anderen ihn damit aufziehen, dass er ein Perfektionist sei, der bei Aufnahmen manchmal Stunden für einen Satz brauche, gibt sich Demune bescheiden: „Ich werde oft auf meinen Stil angesprochen und es freut mich natürlich, wenn meine Musik so ankommt. Ich denke aber, dass ich nur wie eine schlechte Imitation meiner Vorbilder klinge.“ Das sorgt zwar für Gelächter bei den Anwesenden, passt aber mit seiner Motivation Musik zu machen zusammen. Für ihn geht es darum, Grenzen zu testen und zu verschieben wenn es um Vocals geht. „Du hörst jemanden wahnsinnig schnell rappen und willst genau so schnell sein; auf einmal fangen irgendwelche Kerle an zu singen und du denkst‚ wow, das muss ich auch probieren.“ Diese rastlose, stetig auf Verbesserung abzielende Haltung gepaart mit seinem Wissen als Sound-Engineer, hat seinen Stil geprägt, resümiert er.

„Viele meiner Songs und Texte entstehen während den Pausen meiner Arbeit. Ich brauche etwas, das ich verarbeiten kann. Wenn ich nur zuhause sitze, fehlen mir die Erfahrungen. Da fange ich an, über Dinge in meinem Raum zu schreiben, was meist nicht zu guten Ergebnissen führt.“

Otem Rellik ist der Ruhigste der drei. Er hat den Status als Außenseiter, denn bisher waren seine Alben in Deutschland nicht erhältlich. Doch er sieht darin ganz klar einen Vorteil: „Wenn die Leute mich nicht kennen, dann haben sie keine Erwartungen. Ich kann sie eigentlich nur positiv überraschen.“ Dass seine CDs nach dem dritten Auftritt ihrer Europa-Tour schon ausverkauft waren, unterstreicht dies nur. Otem’s Musik beschreibt sich vor allem durch den eindeutigen Folk-Einfluss seiner Instrumentals, dazu sind seine Texte melancholischer und in-sich-gekehrter, als die seiner Label-Mates. Er schreibt viel persönliches, der Prozess des Schreibens ist für ihn ein verarbeitender, therapeutischer. „Viele meiner Songs und Texte entstehen während den Pausen meiner Arbeit. Ich brauche etwas, das ich verarbeiten kann. Wenn ich nur zuhause sitze, fehlen mir die Erfahrungen. Da fange ich an, über Dinge in meinem Raum zu schreiben, was meist nicht zu guten Ergebnissen führt.“ Seine nächste Solo-Platte wird über Ponowai Flora herauskommen und dann glücklicherweise auch in Deutschland erhältlich sein.

So unterschiedlich ihre musikalischen Ausprägungen, ihre Ansprüche und Motivationen auch sein mögen, nach ihrem Einfluss und Werdegang gefragt, zeigt sich ein gemeinsamer Nenner: Anticon. (Bei Demune auch Freestyle Fellowship und Project Blowed.)  Für Ancient Mith und Otem Rellik symbolisiert das kalifornische Label einen Wendepunkt. Ancient erinnert sich, dass er diese Art von Musik zunächst eher schlecht fand. Ähnlich ging es ihm, als er Demune und The Mole zum ersten Mal hörte. Doch langsam begann er zu verstehen: „Du konntest Hip-Hop machen und rappen, ohne nach New-York klingen zu müssen.“ Es wäre verkürzt sie als „anticonesk“ zu begreifen, dafür ist ihre Musik zu eigenständig und an Hip-Hop orientiert. Sie nahmen den Hip-Hop-Hybriden, jeder individuell, machten ihn sich zu Eigen, formten ihn mit ihrem persönlichem Input nach den eigenen Vorstellungen und Vorlieben.

http://www.myspace.com/ponowaiflora
Published in DEAD Magazine Issue III
Text:
Foto(s): Masc
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