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deadwords » interviews 22.08.2007
Aesop Rock – With style on top of it…

There´s smoke in my iris, but I´ve painted a sunny day on the insides of my eyelids.“ – Aesop Rock wurde schon mit seiner ersten eigenen Veröffentlichung „Music for Earthworms“ (1997) zum Vorreiter einer neuen Generation von Rappern, die die Grenzen einer damals schon nur noch locker zusammenhängenden Szene weiter aufweichten, indem sie versuchten, ebendieser Szene neue Inhalte und Visionen zu geben. Anders als viele seiner damaligen Mitstreiter war er dabei immer bemüht, alte und neue Ansätze zu verbinden, was in Kollaborationen mit so illustren Gästen wie Percee P, Slug, Dose One, und Camp Lo gipfelte.

Auf das erste Album folgten „Appleseed“, „Float“ und 2001 „Labor Days“, sein erster, kanonisch hochgelobter Release auf DefJux. Das darauf folgende Album „Bazooka Tooth“ (2003) brachte ihm dann zum ersten Mal Kritik auf breiter Front ein: Viele hatten ihren Zugang zu seinen Texten verloren, die sich nur noch um Style und Flow zu drehen schienen und deren Aussage oft hinter Bergen von scheinbar wahllos aneinander gereihten Worten verschwand. Wir sprachen mit dem 1976 als Ian Bavitz geborenen New Yorker über Style, Inhalte und Aussichten:

DEAD: Bald kommt ein neues Album von Dir, was erwartet uns?

Aesop Rock: Vom Ding her ist es das bewährte Konzept: Blockhead und ich haben produziert, El-P und Rob Sonic haben auch Beats beigesteuert. Es ist eine Art Sammlung von Geschichten und inhaltlich eher ein persönliches Album geworden.

DEAD: Wie schreibst Du Deine Texte, woher nimmst Du Deine Ideen?

Aesop Rock: Unterschiedlich: Ich versuche den ganzen Tag über, ein bisschen zu schreiben, oft nur ein paar Worte, oder etwas über das ich nachdenke. Wenn ich dann richtig an einem Song arbeite, höre ich mich durch die Beats, die ich verwenden will, nehme Demoversionen auf… Ich schreibe ohne Beat, aber wenn ich meine Strophen dann zusammenfüge brauche ich einen Beat, um zu wissen, in welche Richtung es gehen soll.

DEAD: Hat sich die Art, wie Du schreibst über die Jahre verändert?

Aesop Rock: Mittlerweile brauche ich schon länger, weil ich mir einfach mehr Zeit nehme, die Verse genau so hinzukriegen, wie ich mir das vorstelle. Ich habe auch kein Problem damit, Sachen nachträglich umzuschreiben. Ich will das alles passt, bevor es veröffentlicht wird.

DEAD: Ist es für Dich ein Unterschied, ob Du über Deine eigenen Beats rappst, oder über die von anderen?

Aesop Rock: Ja, schon. Wenn ich einen Beat selbst mache, kann ich entscheiden, welcher Vibe entstehen soll. Blockhead hat immer so viele Sachen rumliegen, die ich mir anhören muss, bis ich etwas finde, was mit einer Idee zusammenpasst. Es ist einfach persönlicher, wenn ich einen Beat selbst mache, aber Blockhead und ich kennen uns jetzt auch schon so lange und wir sind sehr eng befreundet – von daher ist es ähnlich.

DEAD: Mit Deinen Texten erschaffst Du starke Bilder, eine Deiner Stärken ist sicherlich der Umgang mit Stilmitteln. Seit der Bazooka Tooth hatte man den Eindruck, dass Du Dich vermehrt auf Style konzentrierst, anstatt wirklich Inhalte zu transportieren. Auf „None Shall Pass“ hast Du wieder was zu erzählen.

Aesop Rock: Es hängt einfach von der Zeit und den Umständen, in denen meine Musik entsteht, ab. Als ich „Bazooka Tooth“ gemacht habe, durchlebte ich sehr turbulente Zeiten, bei „Labour Days“ genau so. Dieses Mal habe ich mich stark auf den Storytelling-Aspekt konzentriert. Ich wollte auch nicht so viel über mich reden, wollte kein Prediger sein oder groß herumprahlen. Es kommt eben immer darauf an, wie ich mich fühle.

DEAD: Aber Style ist Dir schon ziemlich wichtig?

Aesop Rock: Klar, auf jeden Fall. Das Problem ist, dass die Leute viel zu viel kopieren, statt ihren eigenen Style zu bringen. Ich versuche immer etwas anders zu machen. Und ich versuche das, was ich beschreiben will, auch möglichst cool klingen zu lassen.

DEAD: Geht Style dann oft auch auf die Kosten der Message?

“Wenn Du einen krassen Flow hast, aber nichts sagst, ist es belanglos. Aber genauso kannst Du alle Message der Welt nehmen, aber wenn Du keinen Style hast, taugt es auch nichts. Das Ziel ist beides zu vereinen und das macht für mich auch einen guten MC aus.”

Aesop Rock: Ich hoffe nicht. Alles und Nichts gleichzeitig bringt ja auch nichts. Es fordert mich aber heraus, einen starken Inhalt auf eine Art zu herüberzubringen, wie nur ich es kann, und wie Du es noch nie gehört hast. Inhalt ist wichtig, aber Du musst ihn kunstvoll verpacken. Wenn Du einen krassen Flow hast, aber nichts sagst, ist es belanglos. Aber genauso kannst Du alle Message der Welt nehmen – aber wenn Du keinen Style hast, taugt es auch nichts. Das Ziel ist beides zu vereinen und das macht für mich auch einen guten MC aus.

DEAD:
Du warst auf einer Kunstschule, dann gibt es Projekte mit dem Zeichner Jeremy Fish und Du rappst sehr bildhaft. Besteht da ein Zusammenhang, hast Du konkrete Bilder vor Dir, die Du dann versuchst musikalisch auszurücken?

Aesop Rock: Ja, habe schon Vorstellungen in meinem Kopf, die ich ausgearbeitet habe und die ich rüberbringen will. Mit Jeremy zu arbeiten war super, weil vieles von dem, was er macht, eine visuelle Version von dem ist, was ich auszudrücken versuche. Und es ist sehr wichtig für mich, Bilder in die Köpfe der Leute zu transportieren. Außerdem ist ein Sinn für Details bei beidem sehr wichtig.

DEAD: Malst oder zeichnest Du selbst auch noch?

Aesop Rock: Ich hatte eine Zeit lang aufgehört, aber seit kurzem zeichne ich wieder mehr. Gerade die Arbeit mit Jeremy hat mich dazu inspiriert wieder was zu machen. Ich habe nicht so viel Zeit dafür, es ist einfach ein Hobby, aber ich genieße es.

DEAD: Ist das für Dich eine Art Ausgleich zur Musik?

“Wir wollen auch klingen, wie kein anderer. Wir finden immer wieder neue Sachen, treiben es voran und das ist das Wichtigste.”

Aesop Rock: Ja, schon irgendwie. So sehr ich es liebe, Musik ist meine Arbeit. Und wenn ich zeichne, lege ich die Arbeit beiseite und genieße es einfach. Es gibt keinen Druck, weil es nicht veröffentlicht werden wird. Niemand wird darüber urteilen. Ich habe dabei einfach eine gute Zeit und muss mir über nichts weiter Gedanken machen.

DEAD: Gibt es bildende Künstler, die Du besonders magst?

Aesop Rock: Ich war auf einer Kunsthochschule und weiß recht viel über Malerei und Kunstgeschichte. Mich hat eigentlich alles, was ich da gelernt habe irgendwie inspiriert. Aber genauso Graffiti und Cartoons, ich habe generell eine starke Wahrnehmung, was visuelle Kunst angeht.

DEAD: Wie siehst Du zeitgenössische Kunst?

Aesop Rock: Ich mag es, wenn Du jemand siehst, der an seinen Fähigkeiten gearbeitet hat und sein Handwerk beherrscht. Bei vielen von diesen übertrieben konzeptionellen Sachen, braucht es echt nicht viel um so etwas zusammen zu stellen, was soll das? Es ist wie in der Musik, ich mag, wenn jemand sein Handwerk beherrscht, wenn jemand an sich gearbeitet hat und weiß, wie er es rüberbringt. Ich will ich Skills und Emotionen sehen.

DEAD: Am Anfang stand DefJux für eine neue Bewegung in der Rapmusik, für andersartig, neuen Rap. Du hast z.B. auch mit Dose One zusammengearbeitet. Aber ihr sagt ja, ihr macht einfach straighte Rapmusik.

Aesop Rock: Für mich war es immer Rapmusik und es ging immer darum, freshe, originale Musik zu machen. Der Sound des Labels kommt von ein paar Leuten, die bereit sind, Risiken in Kauf zu nehmen. Wir haben alle einen Rap-Background und das ist die Basis des Labels. Aber wir pushen uns auch gegenseitig, neue Richtungen einzuschlagen. Wir wollen sehen, was wir mit Rap machen können, weil Rap insgesamt doch irgendwie auf der Stelle tritt. Wenn man Rap macht, wiederholt man sich auch sehr schnell. In den letzten 7 Jahren, haben wir einfach versucht, innovativ zu sein. Wir wollen klingen, wie kein anderer.

DEAD: Also ist es Dein persönlicher Anspruch, immer was neues zu schaffen?

“Wenn ich ein Album mache, ist es nicht einfach eine Sammlung von Songs, es muss ein Gesamtkonzept und eine Vision beinhalten.”

Aesop Rock: Auf jeden Fall, ich will doch nicht das gleiche Album zweimal hintereinander bringen. Ich bin recht schnell gelangweilt, wenn ich etwas gemacht habe, also versuche ich etwas anderes. Und ich hoffe, man hört den unterschiedlichen Vibe meiner Alben. „Float“, „Labour Days“, „Bazooka Tooth“ und jetzt „None Shall Pass“, sie haben alle ihren charakteristischen Vibe. Wenn ich ein Album mache, ist es nicht einfach eine Sammlung von Songs; es muss ein Gesamtkonzept und eine Vision beinhalten.

DEAD: Du lebst ja von Deiner Musik, bereiten Dir die sinkenden Verkaufszahlen Sorge?

Aesop Rock: Ja, jeden Tag. Als wir mit DJX angefangen haben, suchten El-P und ich  nach Leuten, die unsere Tours planen, denn daher kommt letzten Endes ein Großteil des Geldes. Uns wird es nicht so hart treffen, wenn die Absätze weiter sinken, aber es ist schon traurig, wir wollen ja weiter Platten rausbringen. Es ist schon komisch: Die ganze Industrie verändert sich und keiner weiß so recht, was zu tun ist. Das macht mir schon ein bisschen Angst.

DEAD: Naja, dann verkauft ihr eben Klingeltöne…

Aesop Rock: Ja, genau! (lacht) Das ist jetzt auch nicht so meines, aber wenn das Label zu mir sagt, sie wollen Klingeltöne verkaufen, warum nicht!?

DEAD: Bekommst Du auch Anfragen von anderen Labels?

Aesop Rock: Ich war schon wählerisch, bevor ich ’99 bei Mush gesignet wurde. Es kommen immer Leute von Majors und Indie Labels an, aber ich bleibe lieber bei meinen Wurzeln. Es sind alles Freunde, die mit dem Label zu tun haben und ich will mich ja auch wohlfühlen. Außerdem will ich auch gar nicht groß über Labels nachdenken, sondern einfach meine Musik machen und rausbringen. Ich war von Anfang an bei DJX, habe gesehen, wie das Ganze Form angenommen hat und, auch wenn ich keine Entscheidungen treffe, glaube ich, dass meine Meinung respektiert wird. Sie wissen, dass ich schon immer dabei bin und ich fühle mich als Teil eines Ganzen.

DEAD: Was erwartest Du von Deinem neuen Album?

“Aber es ist schon komisch, die ganze Industrie verändert sich und keiner weiß so recht, was zu tun ist, dass macht mir schon ein bisschen Angst.”

Aesop Rock: Schwierig zu sagen, wegen all den Downloads. Von daher glaube ich, dass es sich nicht ganz so gut wie die Alben zuvor verkaufen wird, weil die Verkäufe echt um 30-40% gesunken sind. Aber ich will damit auf Tour gehen und hoffe, dass die Konzerte gut besucht sind. Ich will einfach genug Geld machen, um weiter Platten rausbringen zu können. Ich tue mein Bestes, kreuze meine Finger, dass die Leute es kaufen.

DEAD: Nutzt Du das Internet?

Aesop Rock: Ja, muss man ja auch, egal ob man es mag oder nicht, man wäre dumm es nicht zu tun. Ich hab zwar noch keine eigene Website, aber ich nutze myspace und aesoprock.com ist in Arbeit. Du musst es Nutzen, ob Du ein Major oder Indie Label hast, oder gar kein Label, es ist einfach die beste Möglichkeit, Sachen zu verbreiten. Ich mag es, Magazine zu lesen, aber viele der jüngeren Leute nutzen das Internet, um sich Informationen zu beschaffen und das sind auch die Leute, die Deine Platten kaufen.

DEAD: Was denkst Du denn über die HipHop Szene im Moment?

Aesop Rock: Weiß nicht… Das ist für mich nicht so wichtig. Ich will mich auch nicht um den Zustand der Szene kümmern. Ich halte meine Sachen am Laufen, und das ist das Beste, was ich tun kann. Ich denke auch nicht über das Ganze als Szene nach. Wenn dann mache ich mir Gedanken über meine Musik, die meiner Freunde. Was ich zur Szene beitragen kann, ist was ich mache. Manche führen hitzige Diskussionen darüber, ob HipHop jetzt tot  ist oder nicht. Aber es ist für mich auch nicht entscheidend, ob ich jetzt in der Szene bin oder nicht. Ich mache meine Musik, und solange man das tut, bleibt die Szene, wie sie ist.

„None Shall Pass“ erscheint Ende August auf DefJux und Aesop Rock plant nach einer US-Tour mit 44 Stopps im Dezember auch eine Europa- und Welttournee.

http://www.myspace.com/aesoprockwins
Published in DEAD Magazine Issue III
Text:
Credits: Interview: Christian Fischer
Foto(s): Thomas „Aesop“ Krüger
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